Forschungsarchiv · Homeoffice & hybride Arbeit

Onboarding-Homeoffice

Grenzen gestalten, Führung auf Distanz entwickeln und informell genutzte Skills verstehen

Abgeschlossene mehrphasige Online-Studie · 2020–2021 · Sonderauswertung 2023

Homeoffice entsteht im Zusammenspiel von Person, Führung und Organisation.

Der Forschungszusammenhang

Eine Studie – vier Veröffentlichungen

Die Homeoffice-Forschung des WorkFamily-Instituts und der FOM Hochschule untersuchte während der pandemiebedingten Umbruchphase 2020 und 2021, wie Beschäftigte Arbeit und Privatleben unter einem Dach gestalten, welche Rolle Führung auf Distanz spielt und welche überfachlichen Skills im Homeoffice als hilfreich erlebt werden. Eine spätere Sonderauswertung richtete den Blick auf Unterschiede in psychologischem Kapital und GRIT zwischen Erwerbstätigen mit und ohne Kinder im Haushalt.

N = 424 Kurzbericht 1 · Berichtsstand Dezember 2020
N = 450 Kurzbericht 2 · Berichtsstand Januar 2021
N = 609 Kurzbericht 3 · Berichtsstand März 2021

Die Pfeilrichtung ist bewusst nicht als Entwicklungsverlauf einzelner Personen dargestellt: Die Teilnehmendenzahl wuchs über fünf Erhebungsphasen. Die Berichte nutzen überlappende beziehungsweise kumulativ berichtete Daten.

Wichtig: Die Sonderauswertung 2023 verwendet eine ausgewählte Teilstichprobe von N = 450 aus der bestehenden Datenbasis. Sie ist keine vierte Erhebung mit weiteren 450 Personen. Die N-Werte dürfen daher nicht addiert werden.

Studienanlage

Vier Perspektiven auf eine Umbruchphase

Die mehrphasige Online-Studie wurde 2020 und 2021 gemeinsam vom WorkFamily-Institut und der FOM Hochschule durchgeführt. In fünf Phasen kamen ergänzende Fragen hinzu.

  • Wie gestalten Beschäftigte private und berufliche Rollen im Homeoffice?
  • Welche Unterstützung und Führung helfen beim Pre- und Onboarding?
  • Welche überfachlichen Skills werden für gelingendes Homeoffice als relevant erlebt?
  • Unterscheiden sich Erwerbstätige mit und ohne Kinder im Haushalt in PsyCap und GRIT?
Methode & Kontext

Fünf Erhebungsphasen

Die im dritten Kurzbericht genannten Teilstichproben umfassen N = 310, 140, 78, 27 und 54; zusammen bilden sie den dort berichteten Stand von N = 609.

  • Freiwillige Online-Teilnahme
  • Pandemische Umbruch- und Lockdownphase
  • Überwiegend querschnittliche Selbstauskünfte
  • Keine repräsentative Zufallsstichprobe
  • Keine gesicherte Wiederholungsmessung derselben Personen

Publikationsübersicht

Drei Kurzberichte und eine Sonderauswertung

Jede Veröffentlichung setzt einen eigenen Schwerpunkt. Gemeinsam bilden sie vier Auswertungsperspektiven desselben Forschungszusammenhangs.

Auswertung 1

Homeoffice will gelernt sein

Kurzbericht · 16.12.2020 · N = 424

Wie lassen sich Arbeit und Privatleben unter einem Dach begrenzen und verbinden?

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Auswertung 2

Führung auf Distanz – eine Zusatzqualifikation

Kurzbericht · 09.01.2021 · N = 450

Welche Führungsbedingungen unterstützen Orientierung, Rückmeldung und Zusammenarbeit?

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Auswertung 3

Diese 7 Homeoffice-Skills sollten Sie trainieren

Kurzbericht · 09.03.2021 · N = 609

Welche überfachlichen Skills werden als relevant erlebt und wie hängen sie mit Belastung zusammen?

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Sonderauswertung

Elternschaft fördert psychologisches Kapital, Leidenschaft und Ausdauer

Preprint · Juli 2023 · Teilstichprobe N = 450

Unterscheiden sich Erwerbstätige mit und ohne Kinder im Haushalt in PsyCap und GRIT?

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Grenzen und Rollen gestalten

Wie lassen sich Arbeit und Privatleben unter einem Dach begrenzen und verbinden? Der erste Kurzbericht stellt Rollenpräferenzen ihrer tatsächlichen Umsetzung und den wahrgenommenen Erwartungen der Führungskraft gegenüber.

82 % hielten private und berufliche Rolle im Homeoffice für gleichermaßen wichtig.
ca. 50 % bevorzugten eine eher integrierende Rollenorganisation.
ca. 32 % bevorzugten eine klare Trennung beider Bereiche.
16 % konnten ihre Präferenz zeitlich, räumlich, gedanklich und emotional nach eigener Angabe umsetzen.
63 % erlebten die Erwartungen ihrer Führungskraft an Arbeit und Privates als nicht passend zu den eigenen.
20 % glaubten, ihre Führungskraft erwarte „Job vor Privat“; weniger als 1 % von 174 Führungskräften hielt dies für geeignet.

Heutige Einordnung: Nicht ein bestimmter Grenzstil ist für alle richtig. Entscheidend sind Passung, Verständigung, realistische Erwartungen und die Möglichkeit, bevorzugte Grenzen im Arbeitsalltag tatsächlich umzusetzen. Die berichtete Inkongruenz stand statistisch mit ungünstigerem Pre-/Onboarding, Erschöpfung und Erholungsbedürfnis in Zusammenhang; sie belegt keine Ursache-Wirkungs-Beziehung.

Führung auf Distanz und Onboarding

Welche Führungsbedingungen unterstützen Orientierung, Rückmeldung und Zusammenarbeit? Der zweite Kurzbericht richtet den Blick auf Vorbildfunktion, Klarheit, Feedback und soziale Einbindung.

Vorbildfunktion

Mehr als zwei von drei

Führungskräfte wurden von Mitarbeitenden nicht als Vorbild für das Arbeiten im Homeoffice erlebt.

Qualifizierung

78 Prozent

der teilnehmenden Führungskräfte stimmten einer gezielten Weiterqualifizierung zum Onboarding-Homeoffice zu.

Rückmeldung

23 Prozent

der Teilnehmenden erhielten nach eigener Angabe regelmäßig Feedback zu ihrer Leistung im Homeoffice.

Berichtete Zusammenhänge

Ein als strukturierter erlebtes Onboarding stand mit geringerem Stresserleben, klareren Prioritäten, besserem Abschalten sowie einem günstigeren sozialen Klima und mehr gegenseitiger Unterstützung in Zusammenhang.

Heutige Ableitung

Führung auf Distanz braucht transparente Aufgaben und Bewertungskriterien, verlässliche Rückmeldung, passende Kommunikationswege und Interesse an den arbeitsbezogenen Folgen unterschiedlicher Grenz- und Rollenpräferenzen.

Die Studie prüfte weder Führung noch Weiterbildung als Intervention. Aus den statistischen Zusammenhängen folgt kein direkter Kausalnachweis für Gesundheit, Motivation oder Leistung.

Sieben Homeoffice-Skills

Welche überfachlichen Skills werden im Homeoffice als besonders relevant erlebt – und wie hängen sie mit Belastung und Zusammenarbeit zusammen? Die Begriffe bilden die damaligen Skillkategorien; sie sind kein heute validiertes Kompetenzmodell des WFI.

  1. Selbstmanagement / Selbstorganisation
  2. Kommunikationsfähigkeit
  3. Zeitmanagement
  4. Organisations- / Koordinationsfähigkeit
  5. Stressmanagement
  6. Kooperationsfähigkeit
  7. Agiles Management
Home

Privater Lern- und Anwendungskontext

Organisationsfähigkeit, Kooperation und agiles Management wurden eher diesem Kontext zugeordnet.

Office

Beruflicher Lern- und Anwendungskontext

Kommunikation und Selbstmanagement wurden eher mit dem beruflichen Anteil des Homeoffice verbunden.

Dazwischen

Übergang beider Lebensbereiche

Zeit- und Stressmanagement wurden besonders häufig an der Schnittstelle von Arbeit und Privatem verortet.

r = −.39

Zusammenhang, keine Stressreduktion in Prozent

Die zusammengefasste Selbsteinschätzung der Top-7-Skills korrelierte negativ mit dem berichteten Stresserleben (p < .001). Der Korrelationskoeffizient bedeutet weder „39 Prozent weniger Stress“ noch einen Wirksamkeitsnachweis für Skilltraining.

Ein Teil der Stichprobe von N = 35 Personen wurde sieben Tage im Homeoffice begleitet. Ausgewertet wurden N = 207 Einschätzungen zur Relevanz der Top-7-Skills in privaten, beruflichen oder kontextübergreifenden Zusammenhängen.

Elternschaft, PsyCap und GRIT

Die Sonderauswertung von 2023 vergleicht Erwerbstätige mit und ohne Kinder im Haushalt. Sie verwendet eine ausgewählte Teilstichprobe aus der Homeoffice-Studie und ist als Preprint veröffentlicht.

Teilstichprobe

N = 450 Erwerbstätige

31 bis 63 Jahre · 195 Männer und 255 Frauen

Mit Kind: N = 232
Ohne Kind: N = 218

GRIT

Leidenschaft und Ausdauer

Mit Kind im HaushaltM = 43,1
Ohne Kind im HaushaltM = 41,9

F(1, 446) = 4,28 · p = .039

PsyCap

Psychologisches Kapital

Mit Kind im HaushaltM = 46,3
Ohne Kind im HaushaltM = 44,6

F(1, 446) = 6,12 · p = .014

Was wurde kontrolliert?

Die Kovarianzanalysen kontrollierten Alter und Gewissenhaftigkeit. GRIT beschreibt hier die Konsistenz langfristiger Ziele und Ausdauer bei ihrer Verfolgung. PsyCap bündelt die HERO-Komponenten Hoffnung, Selbstwirksamkeit, Resilienz und Optimismus.

Kein Kausalnachweis: In dieser ausgewählten Stichprobe berichteten Erwerbstätige mit Kindern im Haushalt im Mittel höhere GRIT- und PsyCap-Werte. Das querschnittliche Gruppenmuster erlaubt keine Aussage, dass Elternschaft die Unterschiede verursacht hat oder dass Eltern grundsätzlich die besseren Beschäftigten sind.

Redaktionelle Zusammenfassung

Vier Perspektiven – ein gemeinsames Bild

Die vier Auswertungen markieren verschiedene Ebenen derselben Arbeits- und Lebenskonstellation. Das folgende Raster fasst sie redaktionell zusammen; es ist kein empirisch validiertes Modell.

01 · Grenzen & Rollen

Präferenz braucht Umsetzbarkeit

Entscheidend sind nicht nur individuelle Wünsche, sondern reale Gestaltungsspielräume und Verständigung mit Führung.

02 · Führung & Onboarding

Distanz braucht Orientierung

Feedback, Kommunikation, transparente Erwartungen und soziale Einbindung bilden zentrale Rahmenbedingungen.

03 · Skills & informelles Lernen

Handlungsfähigkeit entsteht im Kontext

Überfachliche Fähigkeiten werden zwischen privatem und beruflichem Alltag eingesetzt und subjektiv eingeordnet.

04 · Psychologische Ressourcen

Gruppenunterschiede brauchen Erklärung

Die Sonderauswertung zeigt Unterschiede in PsyCap und GRIT, aber keinen gesicherten Entwicklungsmechanismus.

Homeoffice ist weder nur Arbeitsort noch automatisch Vereinbarkeitslösung. Es ist eine Arbeits- und Lebenskonstellation, deren Gelingen von persönlicher Passung, erlernten Handlungsweisen, Führung und organisationalen Bedingungen abhängt.

Wissenschaftliche Transparenz

Was die Ergebnisse zeigen – und was nicht

Die Befunde stammen überwiegend aus Selbstauskünften einer nicht repräsentativen Online-Stichprobe. Sie zeigen Unterschiede und statistische Zusammenhänge, belegen aber keine kausalen Wirkungen von Homeoffice, Führung, Skilltraining oder Elternschaft.

Die Daten zeigen

  • berichtete Rollen- und Grenzpräferenzen;
  • subjektiv erlebte Bedingungen von Führung und Onboarding;
  • Selbsteinschätzungen relevanter Skills und Belastung;
  • statistische Zusammenhänge zwischen Merkmalen;
  • Gruppenunterschiede in PsyCap und GRIT innerhalb einer ausgewählten Teilstichprobe.

Die Daten zeigen nicht

  • eine repräsentative Bestandsaufnahme aller Beschäftigten;
  • kausale Wirkungen von Führung, Onboarding oder Skilltraining;
  • objektiv gemessene Kompetenz oder Produktivität;
  • eine gesicherte individuelle Entwicklung derselben Personen;
  • eine generelle Überlegenheit von Eltern oder einen Automatismus durch Elternschaft.

Einzuordnen sind außerdem der besondere Lockdownkontext 2020–2021, freiwillige Teilnahme, ergänzende Items in fünf Phasen, mögliche Drittvariablen sowie die begrenzte Übertragbarkeit auf heutige hybride Arbeit. Es liegen drei praxisorientierte Kurzberichte und ein Preprint vor – keine vier peer-reviewten Fachartikel.

Bedeutung für hybride Arbeit

Historische Befunde – heutige Fragen

Die Studie liefert ein zeitgeschichtliches Bild einer erzwungenen Umbruchphase. Ihre Begriffe und Befunde können heutige Fragen zu mobiler und hybrider Arbeit anregen, ersetzen aber keine aktuelle repräsentative Erhebung.

Wie werden Erreichbarkeit und Nicht-Erreichbarkeit transparent vereinbart?
Welche Grenzstile passen zu Person, Aufgabe und Lebenssituation?
Wie bleiben Ziele, Bewertungskriterien und Entscheidungswege sichtbar?
Wie gelingt verlässliche Rückmeldung ohne digitale Überkontrolle?
Wie werden informelle Kommunikation und soziale Einbindung gesichert?
Wie bleiben Teilhabe und Entwicklungschancen vom Arbeitsort unabhängig?
Welche Fähigkeiten werden tatsächlich beobachtbar eingesetzt?
Welche organisationalen SkillGates öffnen oder schließen ihre Nutzung?

Berichte & Preprint

Alle vier Veröffentlichungen

Die drei Kurzberichte führen direkt zu den vorhandenen PDF-Dateien. Die Sonderauswertung ist über ihren DOI dauerhaft auffindbar. Alle Zugänge öffnen in einem neuen Tab.

Homeoffice will gelernt sein

Joachim E. Lask, Verena J. Heidrich & Eleonore Soei-Winkels

Kurzbericht 1 zur Studie Onboarding-Homeoffice · 16.12.2020

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Führung auf Distanz – eine Zusatzqualifikation

Joachim E. Lask, Verena J. Heidrich & Eleonore Soei-Winkels

Kurzbericht 2 zur Studie Onboarding-Homeoffice · 09.01.2021

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Diese 7 Homeoffice-Skills sollten Sie trainieren

Joachim E. Lask, Verena J. Heidrich & Eleonore Soei-Winkels

Kurzbericht 3 zur Studie Onboarding-Homeoffice · 09.03.2021

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Elternschaft fördert psychologisches Kapital, Leidenschaft und Ausdauer

Joachim E. Lask

Preprint / Sonderauswertung · Juli 2023 · CC BY 4.0

DOI: 10.13140/RG.2.2.14513.15204

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Zitierhinweis: Bitte zitieren Sie jeweils die verwendete Einzelveröffentlichung. Die Sonderauswertung ist als Preprint ausgewiesen; ein Peer Review wird nicht behauptet.

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