Themenfeld · Informelles Lernen
Elterliche Skills & informelles Lernen.
Elternschaft kann ein intensives Lern- und Entwicklungsfeld sein. Ob daraus stabile und beruflich nutzbare Skills entstehen, hängt jedoch nicht allein von der Erfahrung Elternschaft ab. Entscheidend ist, wie Anforderungen bewältigt, Erfahrungen reflektiert und Handlungsweisen in neue Kontexte übertragen werden.
01 — Fachliche Einordnung
Elternschaft ist eine Erfahrung – noch kein Skillnachweis.
Zwischen „Eltern sein“ und „einen Skill entwickelt haben“ besteht kein Automatismus. Entscheidend ist die Qualität der Lern- und Entwicklungsprozesse.
Was nicht automatisch geschieht
Die Übernahme elterlicher Verantwortung löst nicht bei allen Menschen dieselben Lernprozesse aus. Erfahrungen können bewältigt, vermieden, routiniert ausgeführt oder bewusst reflektiert werden. Dauer und Intensität einer Erfahrung allein belegen deshalb noch keinen Skill.
Wann Entwicklung wahrscheinlicher wird
Skills können entstehen und sich stabilisieren, wenn Menschen anspruchsvolle Situationen aktiv bewältigen, Rückmeldungen aufnehmen, ihr Handeln reflektieren, alternative Vorgehensweisen erproben und erfolgreiche Strategien wiederholt anwenden.
02 — Informelles Lernen
Wie aus Erfahrung ein Skill werden kann.
Der Familienalltag schafft Lerngelegenheiten. Ein bewusst wahrnehmbarer und übertragbarer Skill kann daraus in einem mehrstufigen Prozess entstehen.
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01→
Anforderung erleben
Neue, komplexe oder widersprüchliche Anforderungen entstehen im Familienalltag.
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02→
Handeln und bewältigen
Eine Vorgehensweise wird entwickelt und in der konkreten Situation erprobt.
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03→
Erfahrung reflektieren
Wirkungen, Grenzen und alternative Handlungsmöglichkeiten werden bewusst betrachtet.
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04→
Handlungsweise weiterentwickeln
Erfolgreiche Strategien werden angepasst, differenziert und wiederholt eingesetzt.
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05
In neue Kontexte übertragen
Die zugrunde liegende Handlungsfähigkeit wird erkannt und etwa auf berufliche Aufgaben übertragen.
Informelles Lernen findet außerhalb formaler Bildungsangebote statt. Es ist häufig in Alltagshandlungen eingebettet und bleibt zunächst unbenannt. Erst durch Reflexion und sprachliche Übersetzung kann aus einer konkreten Familienerfahrung ein bewusst wahrnehmbarer und übertragbarer Skill werden.
03 — Mögliche Entwicklungsfelder
Welche Skills im Familienalltag entwickelt werden können.
Familienleben fordert unterschiedliche Handlungsweisen. Ob und wie daraus ein stabiler Skill entsteht, ist individuell und lässt sich nicht aus der Elternschaft allein ableiten.
Selbstorganisation und Priorisierung
Begrenzte Zeit und parallele Anforderungen können dazu anregen, Wichtiges zu erkennen, Reihenfolgen zu bilden und Handlungen verlässlich zu koordinieren.
Umgang mit Unsicherheit und Veränderungen
Unvorhergesehene Situationen können flexibles Umplanen, realistische Neubewertung und handlungsfähiges Entscheiden fördern.
Perspektivübernahme und Beziehungsgestaltung
Unterschiedliche Sichtweisen wahrzunehmen und Beziehungen auch unter Belastung zu gestalten, kann im Familienalltag wiederholt erprobt werden.
Kommunikation und Konfliktklärung
Bedürfnisse auszudrücken, zuzuhören und tragfähige Vereinbarungen zu entwickeln, eröffnet vielfältige Lerngelegenheiten.
Problemlösen und situationsgerechtes Entscheiden
Komplexe Alltagssituationen können dazu auffordern, Optionen abzuwägen und Lösungen an veränderte Bedingungen anzupassen.
Koordination unterschiedlicher Bedürfnisse
Widersprüchliche Erwartungen auszuhandeln, Grenzen zu achten und gemeinsame Lösungen zu finden, kann eine differenzierte Handlungsfähigkeit unterstützen.
Wichtig: Diese Beispiele beschreiben mögliche Lern- und Entwicklungsfelder. Sie erlauben keine pauschalen Aussagen über einzelne Eltern und ersetzen keine individuelle Reflexion oder Erfassung.
04 — Transfer in den Beruf
Ein entwickelter Skill ist noch kein genutzter Skill.
Beruflicher Transfer ist eine zusätzliche Entwicklungsleistung. Menschen müssen einen Skill bei sich wahrnehmen, aus der konkreten Familiensituation herauslösen, sprachlich übersetzen und eine passende Anwendungssituation finden.
Erkennen
Die eigene Handlungsweise wird als möglicher Skill wahrgenommen – nicht nur als Teil einer privaten Alltagssituation.
Übersetzen
Die Erfahrung wird aus dem Familienkontext gelöst und in eine beruflich verständliche Sprache übertragen.
Anwenden
Eine passende Aufgabe, Gelegenheit und ausreichende Sicherheit ermöglichen es, den Skill beruflich zu nutzen.
Ein Beispiel
Die alltägliche Koordination widersprüchlicher Bedürfnisse ist zunächst eine Familienerfahrung. Durch Reflexion kann darin ein Skill im Priorisieren, Aushandeln und situationsgerechten Entscheiden erkannt werden. Beruflich nutzbar wird dieser Skill erst, wenn eine passende Aufgabe besteht und die Person ihn dort anwenden darf und kann.
05 — Organisationale Bedingungen
SkillGates: Was Organisationen öffnen oder verschließen können.
SkillGates sind organisationale Bedingungen, die beeinflussen, ob vorhandene Skills wahrgenommen, anerkannt und tatsächlich genutzt werden können.
Organisationen erzeugen diese Skills nicht. Sie können jedoch entscheidend dazu beitragen, dass vorhandene Skills sichtbar und nutzbar werden.Zur SKILL-GATE-Interviewstudie
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01
Sprache und Sichtbarkeit
Können Mitarbeitende informell entwickelte Skills benennen und in einen beruflichen Zusammenhang übersetzen?
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02
Anerkennung
Werden Erfahrungen aus Elternschaft als mögliche Lernressource betrachtet – oder durch stereotype Zuschreibungen entwertet?
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03
Aufgaben- und Rollenpassung
Gibt es Aufgaben, Verantwortungsbereiche und Situationen, in denen der jeweilige Skill tatsächlich gebraucht wird?
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04
Psychologische Sicherheit
Kann über außerberufliche Lernerfahrungen gesprochen werden, ohne Abwertung, Benachteiligung oder Grenzüberschreitungen befürchten zu müssen?
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05
Führung und Lernkultur
Unterstützen Führungskräfte Reflexion, Erprobung, Rückmeldung und die Weiterentwicklung informell erworbener Skills?
Freiwilligkeit und Privatsphäre bleiben grundlegend: Die Thematisierung familiärer Erfahrungen darf nicht zu einer Offenlegungspflicht werden.
06 — Parental SkillScan
Elterliche Skills sichtbar und besprechbar machen.
Der Parental SkillScan ist ein wissenschaftlich fundiertes Reflexions- und Entwicklungsinstrument des WorkFamily-Instituts. Er unterstützt die differenzierte Beschreibung, Reflexion und berufliche Einordnung elterlicher Skills.
Das Instrument unterstützt dabei,
- mögliche elterliche Skills differenziert wahrzunehmen,
- die eigene Entwicklung zu reflektieren,
- Skills in eine beruflich anschlussfähige Sprache zu übersetzen,
- geeignete Nutzungsmöglichkeiten zu identifizieren,
- Entwicklungs- und Transfergespräche vorzubereiten.
Der Parental SkillScan setzt nicht voraus, dass Eltern bestimmte Skills besitzen. Er macht keine pauschale Aussage über die Leistungsfähigkeit von Eltern und ist kein Instrument zur Beurteilung von Elternschaft. Im Mittelpunkt stehen individuelle Reflexion, Entwicklung und Transfer.
07 — Forschung & Publikationen
Wissenschaftlich untersuchen, was beruflich anschlussfähig wird.
Das WorkFamily-Institut untersucht Entstehung, Wahrnehmung, Anerkennung und Nutzung elterlicher Skills. Im Mittelpunkt stehen die Bedingungen, unter denen informelle Lernerfahrungen reflektiert und in Organisationen nutzbar werden können.
Parental SkillScan
Forschung und Instrument zur differenzierten Beschreibung und Reflexion elterlicher Skills.
Mehr erfahrenStrukturelle Anschlussfähigkeit elterlicher Skills an Führung und Zusammenarbeit
Zur Frage, wie im Familienalltag entwickelte Skills mit beruflichen Anforderungen verbunden werden können.
Mehr erfahrenElterliche Skills in Organisationen – Ressourcenzentrierte Führung und Mitarbeit
Zur Bedeutung elterlicher Skills, ihrem Transfer und den organisationalen Rahmenbedingungen.
Mehr erfahrenStudien des WorkFamily-Instituts
Forschungsarbeiten zu elterlichen Skills, informellem Lernen, Transfer und organisationaler Nutzung.
Mehr erfahrenVon der Erfahrung zur nutzbaren Ressource
Entwicklung braucht mehr als Erfahrung allein.
Elternschaft kann vielfältige Lerngelegenheiten eröffnen. Ob daraus belastbare Skills entstehen und ob diese im Beruf wirksam werden, entscheidet sich in der Bewältigung konkreter Anforderungen, in der Reflexion, in der Übersetzung auf neue Kontexte und an den SkillGates der Organisation.
Elterliche Skills sind weder selbstverständlich noch bedeutungslos. Sie müssen individuell entwickelt, erkannt und anschlussfähig gemacht werden.
