WorkFamily-Institut
Work-Parent Identity: Wie Elternrolle und berufliches Selbstverständnis zusammenfinden.
Elternrolle und Beruf sind zwei bedeutsame Lebens- und Identitätsbereiche. Work-Parent Identity Integration beschreibt, in welchem Maß Menschen beide Bereiche als vereinbar und miteinander verbunden erleben – ohne dass einer im anderen aufgehen muss.
Das WFI untersucht WPI als mögliche Brücke zwischen Elternidentität, der Wahrnehmung elterlicher Lernerfahrungen und ihrer arbeitsbezogenen Anschlussfähigkeit.
Zwei Rollenbereiche · eine mögliche Verbindung
Projektprofil
Das Projekt auf einen Blick.
WPI ist eine eigenständige Forschungs- und Instrumentenentwicklung innerhalb des Forschungsprogramms zum Parental SkillScan.
Projektleitung und Autor: Dipl.-Psych. Joachim E. Lask · WorkFamily-Institut
Begriff und Bedeutung
Nicht die Stärke einer Rolle, sondern die Verbindung zwischen zwei Rollen.
Elternrolle und berufliche Rolle können gleichzeitig bedeutsam sein. Menschen können sie als weitgehend getrennt, als konkurrierend, als ergänzend oder als miteinander verbunden erleben. Work-Parent Identity Integration richtet den Blick auf diese subjektiv wahrgenommene Vereinbarkeit und Verbindung.
Eine starke Bindung an die Elternrolle bedeutet deshalb nicht automatisch eine hohe WPI. Ebenso ist eine stärkere Integration kein allgemeines Ideal: Bewusste Rollenabgrenzung kann Orientierung geben, Erholung ermöglichen und private Grenzen schützen.
WPI ist weder Work-Family-Balance noch Work-Family-Enrichment. Sie kann für die Verarbeitung von Erfahrungen an der Schnittstelle von Familie und Beruf bedeutsam sein, belegt aber weder entwickelte Skills noch deren tatsächliche Nutzung.
WPI bewertet weder Elternschaft noch Beruf. Es beschreibt eine spezifische Verbindung im Selbstkonzept.
Fachliche Abgrenzung
Elternidentität und Work-Parent Identity sind verwandt, aber nicht identisch.
Die beiden Ansätze betrachten unterschiedliche Fragen. Ihre Trennung ist zentral für die methodische Entscheidung im PSS.
Wie ist die Elternrolle im eigenen Selbstkonzept verankert und wie wird sie bearbeitet?
Wie werden Elternrolle und berufliches Selbstverständnis miteinander verbunden?
| Merkmal | Piotrowski-/U-MICS-PI | WPI5 |
|---|---|---|
| Fokus | Allgemeine Elternidentität und Identitätsprozesse | Verbindung von Elternrolle und beruflichem Selbstverständnis |
| Struktur | Drei Teilskalen | Kurze fokussierte Integrationsskala |
| Funktion im PSS | Optionales Forschungsmodul | Bestandteil der Standardversion |
| Erkenntnisinteresse | Identifikation mit und Bearbeitung der Elternrolle | Arbeitsbezogene Anschlussfähigkeit im Selbstkonzept |
Bindung an und Verbundenheit mit der Elternrolle.
Vertiefte Auseinandersetzung und Reflexion der Elternrolle.
Hinterfragen oder Neubewerten der bisherigen Bindung an die Elternrolle.
Eine fokussierte Integrationsskala
WPI5 bildet die wahrgenommene Verbindung von Elternrolle und beruflichem Selbstverständnis eindimensional und testökonomisch ab.
Die drei Prozesse gehören zur Elternidentität – nicht zu WPI5.
Entwicklungsfrage
Welches Identitätskonstrukt passt zur Aufgabe des Parental SkillScan?
Der PSS soll mögliche, in Elternschaft entwickelte Handlungsressourcen reflektierbar und arbeitsbezogen beschreibbar machen. Deshalb war zu klären, ob dafür eine umfassende Erhebung allgemeiner Elternidentität oder ein enger auf die Schnittstelle Elternrolle–Beruf bezogener Ansatz zweckmäßiger ist.
Piotrowski-/U-MICS-PI wurde mit Genehmigung des Originalautors in einer deutschsprachigen Studienfassung untersucht. Parallel wurde die ursprüngliche WPI-Fassung im Verlauf der PSS-Entwicklung zu WPI5 weiterentwickelt – einer kurzen, fünfteiligen Skala mit unmittelbarerem Bezug zur arbeitsbezogenen Integrationsfrage.
Die Entscheidung wurde durch Konstruktlogik, Testökonomie und explorative Befunde informiert. Sie stellt noch keine abschließende externe Validierung dar.
- Forschungsfrage
- Vergleichende Prüfung
- Konstrukttrennung
- WPI5 in der Standardversion
- Weitere Replikation
Explorative Entwicklungsdaten
Methodische Prüfung innerhalb der PSS-Entwicklung.
Die Analysen beruhen auf querschnittlichen Selbstberichtsdaten. Unterschiedliche Verfahren wurden zu unterschiedlichen Entwicklungszeitpunkten eingesetzt.
Vollständige Daten für Piotrowski-/U-MICS-PI und die ursprüngliche WPI-Fassung.
Vollständige Daten für WPI5. Einzelne Modelle nutzten je nach Datenvollständigkeit abweichende Fallzahlen.
Auswertungsschritte
- Reliabilitätsanalysen
- Korrelationen zwischen den Konstrukten
- Explorative Regressionsmodelle
- Explorative Mediationsanalysen
Die Entwicklungsstichproben sind nicht als repräsentative Bevölkerungsstichproben zu verstehen. Eine unabhängige externe Replikation liegt bislang nicht vor; aus dem querschnittlichen Design folgen keine Kausalaussagen.
| Skala | N | Items | Cronbachs α | McDonalds ω |
|---|---|---|---|---|
| Commitment | 212 | 5 | .887 | .888 |
| In-depth Exploration | 212 | 5 | .842 | .849 |
| Reconsideration of Commitment | 212 | 3 | .873 | .889 |
| Ursprüngliche WPI-Fassung | 212 | 4 | .720 | .732 |
| WPI5 | 117 | 5 | .783 | .788 |
Die drei Piotrowski-/U-MICS-PI-Skalen zeigten in dieser Entwicklungsstichprobe gute bis sehr gute interne Konsistenzen. WPI5 erreichte eine für die vorgesehene Kurzskala angemessene interne Konsistenz. Die Entscheidung für WPI5 beruht daher nicht auf einer unzureichenden Reliabilität der Elternidentitätsskalen.
Bisherige Befunde
WPI5 erfasst eine eigenständige Schnittstelle zwischen Elternrolle und Beruf.
Die Ergebnisse sind als explorative Entwicklungsbefunde zu lesen – als Hinweise für weitere Prüfung, nicht als abschließende Validierung.
Verwandt, aber nicht identisch
Elternidentität und Work-Parent Identity Integration hängen erwartungsgemäß zusammen, erfassen jedoch unterschiedliche Konstrukte.
WPI5 bildet den Integrationsansatz effizient ab
Die ursprüngliche WPI-Fassung und WPI5 korrelierten in der Teilstichprobe sehr hoch. Das stützt die Kurzfassung, ersetzt jedoch keine unabhängige Prüfung.
Besondere Nähe zur arbeitsbezogenen Transfererwartung
WPI/WPI5 leistete in explorativen Modellen einen eigenständigen Beitrag zu SOEi, der instrumentellen beziehungsweise arbeitsbezogenen Spillover-Erwartung. Für die allgemeinere SOEe zeigte sich dieser Beitrag nicht in gleicher Weise.
Mögliche Brückenfunktion
Explorative Mediationsmodelle waren mit einer Brückenfunktion von WPI/WPI5 zwischen Elternrollenbindung, arbeitsbezogener Transfererwartung und berichteter Nutzung elternschaftsbezogener Erfahrungen im Beruf vereinbar.
Die Befunde stammen aus einer explorativen Instrumentenentwicklung. Querschnittliche Selbstberichte und statistische Mediationsmodelle belegen keine zeitliche oder kausale Wirkung.
Forschungslogik
Identitätsintegration und Skillreflexion beantworten unterschiedliche Fragen.
Beide Pfade ergänzen einander. Sie beschreiben jedoch weder einen Automatismus noch eine bestätigte lineare Kausalkette.
Wie werden Rollen subjektiv verbunden?
- Elternrollenbindung
- WPI / WPI5
- Arbeitsbezogene Transfererwartung
- Berichtete Nutzung
Wie werden Erfahrungen als Handlungsressourcen reflektiert?
- Konkrete Erfahrungen
- SCOPE-Skillreflexion
- Arbeitsbezogene Übersetzung
- Erprobung und Nutzung
Theorie- und Befundlogik – keine bestätigte lineare Kausalkette. WPI beschreibt die Identitätsverbindung, SCOPE reflektierte und selbstberichtete Handlungsressourcen, SOE die erwartete Übertragbarkeit und SO berichtete Nutzung und Anerkennung. Organisationale SkillGates beeinflussen, ob Erprobung und Nutzung möglich werden.
Konsequenz für den PSS
WPI5 bleibt Standard – Elternidentität bleibt Forschungsmodul.
Die Entscheidung betrifft die unterschiedliche Funktion beider Verfahren. Sie ist keine Rangordnung ihrer wissenschaftlichen Qualität.
WPI5
- Näher am arbeitsbezogenen Kernkonstrukt
- Fünf Items und damit testökonomisch
- Angemessene interne Konsistenz
- Eigenständiger Beitrag zur arbeitsbezogenen Transfererwartung
- Unmittelbarere Interpretation im PSS-Kontext
Piotrowski-/U-MICS-PI
- Differenzierte Erfassung allgemeiner Elternidentität
- Drei theoretisch begründete Identitätsprozesse
- Gute bis sehr gute interne Konsistenzen
- Wertvoll für vertiefende Identitätsforschung
- Nicht wegen mangelnder Qualität aus der Standardversion ausgeschlossen
Die Entscheidung reduziert Messaufwand und schärft den Konstruktfokus. Sie wertet Elternidentitätsforschung nicht ab.
Anwendungsbezug
Identitätsintegration kann reflektiert, aber nicht verordnet werden.
WPI eröffnet Gesprächs- und Reflexionsmöglichkeiten. Sie darf nicht zur Erwartung werden, private Rollen gegenüber einer Organisation offenzulegen oder beruflich verwertbar zu machen.
Reflexion und Anschlussfähigkeit
- Eltern können erkunden, ob und wie Erfahrungen aus Elternschaft zu ihrem beruflichen Selbstverständnis passen.
- Beratung und Coaching können Anschlussfähigkeit prüfen, ohne Elternschaft zu idealisieren.
- Reboardinggespräche können veränderte Rollen und mögliche Lernprozesse einbeziehen.
- Führung und HR können Sprache und Erprobungsräume anbieten, ohne private Offenlegung zu verlangen.
- Organisationen können SkillGates öffnen, ohne Transfer stereotyp vorauszusetzen.
Wissenschaftliche Einordnung
Ein belastbarer Entwicklungsstand – noch kein Schlussstein.
Das Projekt dokumentiert eine begründete methodische Entscheidung. Für weitergehende Aussagen sind zusätzliche Studien erforderlich.
Grenzen der bisherigen Daten
- Explorative Instrumentenentwicklung
- Querschnittliche Selbstberichtsdaten
- Variierende Fallzahlen zwischen den Analysen
- Keine unabhängige Replikation
- Keine kausale Interpretation der Mediationsmodelle
- Keine abschließende externe Validierung der deutschsprachigen Piotrowski-/U-MICS-PI-Studienfassung
Erforderliche nächste Prüfungen
- WPI5 in neuen Stichproben und Anwendungskontexten prüfen
- Längsschnittliche Veränderungen untersuchen
- Selbstberichte um weitere Perspektiven ergänzen
- Organisationale Bedingungen systematisch einbeziehen
- Konstrukttrennung und externe Kriterien weiter validieren
Weiterführende Forschungsfragen
- Wie stabil oder veränderbar ist WPI über Lebensphasen und berufliche Übergänge?
- Welche Rolle spielt WPI beim Reboarding nach Elternzeit?
- Wie hängen WPI, Work-Family-Enrichment und Work-Family-Konflikt zusammen?
- Unter welchen organisationalen SkillGates wird Identitätsintegration tatsächlich nutzbar?
- Wie unterscheiden sich Selbstbericht, beobachtbares Verhalten, Nutzung und Anerkennung?
- Welche Rolle spielen Führung, psychologische Sicherheit und Teamklima?
Working Paper 2026
Methodische Grundlage und vollständige Analysen.
Elternrollen-Identifikation und Work-Parent-Identity-Integration im Parental SkillScan. Empirische Befunde und methodische Konsequenzen für die Testökonomie.
Das Working Paper dokumentiert die vergleichende Prüfung allgemeiner Elternidentität und Work-Parent Identity Integration innerhalb der PSS-Entwicklung. Es berichtet Reliabilitäten, Zusammenhänge sowie explorative Regressions- und Mediationsmodelle und begründet, weshalb WPI5 in der Standardversion verbleibt, während Piotrowski-/U-MICS-PI als Forschungsmodul erhalten bleibt.
Forschungszusammenhang
WPI verbindet Identität, erwarteten Transfer und berichtete Nutzung.
Die folgende Reihenfolge beschreibt das Forschungsprogramm des WFI. Sie ist keine empirisch bestätigte lineare Kausalkette.
SCOPE / PSS
Welche Handlungsressourcen lassen sich in elterlichen Erfahrungen reflektieren und beschreiben?
WPI
Wie werden Elternrolle und berufliches Selbstverständnis miteinander verbunden?
SOE
Welche berufliche Übertragbarkeit wird erwartet?
SO
Welche Nutzung und Anerkennung wird im Beruf berichtet?
SkillGates
Welche Bedingungen ermöglichen oder begrenzen Wahrnehmung, Erprobung und Nutzung?
Forschung & fachlicher Austausch
WPI weiterdenken.
Work-Parent Identity Integration öffnet eine zusätzliche Perspektive auf beruflichen Skilltransfer: Nicht nur Erfahrungen und mögliche Skills sind relevant, sondern auch die Frage, ob Elternrolle und berufliches Selbstverständnis subjektiv miteinander verbunden werden. Für Forschung und Praxis bleibt entscheidend, Identitätsintegration, tatsächliche Handlungsfähigkeit und organisationale Nutzung sauber zu unterscheiden.
