WFI im Fachdialog · Berlin 2026

Familienalltag als Lernraum

Wie familiäres Können sichtbar wird, beruflich anschlussfähig werden kann und fair eingebracht wird.

Illustration: Ein Vater wartet aufmerksam, während sein Sohn selbst den Rucksack packt.
Was hat der Vater dazugelernt?Ein konstruiertes Alltagsbeispiel aus dem Vortrag.
Workshop
–
Berlin
Veranstaltung
WSI der Hans-Böckler-Stiftung
Informelles Lernen in Familie und Beruf
WFI-Beitrag
Joachim E. Lask
Familien- und Wirtschaftspsychologe

Ein Alltag. Viele Lerngelegenheiten.

Ein Rucksack. Ein Hinweis.
Ein eigener nächster Schritt.

Ein Vater packt mit seinem Sohn den Rucksack für einen Schulausflug. Früher hätte er fehlende Sachen schnell selbst eingepackt. Heute fragt er nach, gibt einen Hinweis und wartet. Sein Sohn findet selbst den nächsten Schritt.

Was hat der Vater dazugelernt? Woran lässt sich seine Entwicklung erkennen? Und unter welchen Bedingungen könnte dieses Können auch beruflich hilfreich sein?

Mit diesem konstruierten Beispiel eröffnete Joachim E. Lask seinen Beitrag zum Workshop „Informelles Lernen im Familienalltag und im Beruf: Konzepte, empirische Einblicke und Erfahrungen aus der Praxis“ des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Der Beitrag verbindet psychologische Zugänge mit Befunden und Praxisbeispielen aus dem WorkFamily-Institut.

Wie wird Lernen im Alltag erkennbar?

Eine Aussage wie „Ich bin geduldiger geworden“ ist ein Ausgangspunkt. Genauer wird sie durch konkrete Situationen: Was tut jemand heute anders? Unter welchen Bedingungen gelingt das? Welche Rückmeldungen bestätigen oder verändern die eigene Einschätzung?

Reflexionsformate und der Parental SkillScan können solche Fragen strukturieren. Mögliche Skills werden an Alltagserfahrungen, Gegenbeispielen und Rückmeldungen geprüft.

Genauer beschreiben – Veränderungen prüfen.Ob sich neben der Beschreibung auch das Handeln verändert, muss gesondert untersucht werden.

Wie wird familiäres Können beruflich anschlussfähig?

Im Beispiel könnte der Vater auch bei der Einarbeitung einer Kollegin gezielter unterstützen und Raum für eigene Lösungen lassen. Dabei muss er sein Vorgehen an die professionelle Beziehung und die konkrete Aufgabe anpassen.

Explorative WFI-Befunde zeigen: Die berichtete berufliche Nutzung familiärer Erfahrungen hängt mit zwei Perspektiven zusammen.

Erwarteter Nutzen

Bei welcher beruflichen Aufgabe könnte mir das Gelernte helfen?

Berufliches Selbstbild

Welchen Platz hat meine familiäre Erfahrung in meiner beruflichen Arbeitsweise?

Die Ergebnisse beschreiben statistische Zusammenhänge in explorativen Selbstberichtsdaten. Sie belegen keinen automatischen oder ursächlichen Transfer.

Wie lässt sich die Anwendung fair gestalten?

Die SkillGate-Interviewstudie richtet den Blick auf Führung und organisationale Entscheidungen. Welche Fähigkeiten werden wahrgenommen? Welche Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten entstehen daraus?

Für die Praxis bedeutet das: Berufliche Anwendung gemeinsam abstimmen. Die Person entscheidet mit, ob und wie sie ihr Können einbringen möchte.

  • Passung und WunschWelche Aufgabe passt – und möchte ich sie übernehmen?
  • Auftrag und BefugnisseWas soll und darf ich entscheiden?
  • Zeit und AnerkennungWas wird angepasst, wie wird mein Beitrag gewürdigt?
  • Rückmeldung und GrenzenWas gelingt – und wo endet die Aufgabe?

Den Beitrag vertiefen

Leseskript & Vortragsfolien

Die vollständige Lesefassung enthält theoretische Grundlagen, empirische Befunde, methodische Einordnungen und Literaturangaben. Die Vortragsfolien sind im Anhang enthalten.

Leseskript mit Folien öffnen PDF · 19 Seiten · ca. 1 MB
Nach oben scrollen
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner