Laufend Forschungsprojekt · Interviewstudie 2026

SKILL-GATE: Wie Organisationen informell entwickelte Skills wahrnehmen und nutzbar machen.

Viele Skills entstehen außerhalb formaler Trainings – im Arbeitsalltag, in Projekten, durch Verantwortung sowie in Familie, Care oder Ehrenamt. Ob Organisationen diese Skills erkennen, übersetzen, erproben und anerkennen können, untersucht die qualitative Interviewstudie SKILL-GATE.

Im Mittelpunkt stehen nicht vermeintliche Eigenschaften bestimmter Personengruppen, sondern die Bedingungen in Führung, HR, Team und Organisation.

Organisationale Übergänge
  1. Informell entwickelter möglicher Skill Aus Erfahrung, Bewältigung und Reflexion
  2. Wahrnehmen & Attribuieren Sehen und die Entstehung einordnen
  3. Übersetzen & Benennen In arbeitsbezogene Sprache übertragen
  4. Nutzen & Legitimieren Aufgabe, Gelegenheit und faire Anerkennung
  5. Berufliche Erprobung & Nutzung Kontextbezogen, beobachtbar und rückmeldbar
Beobachtung & Feedback können frühere Einordnungen verändern.
Untersuchungslogik – keine bestätigte Kausalkette

Projektprofil auf einen Blick

Projektart Qualitative, explorative Interviewstudie
Zeitraum 2026
Status Erhebung und Auswertung laufen
Perspektiven Praxiswissen aus Geschäftsführung, Führung und HR
Interview Etwa 60–75 Minuten · online oder vor Ort
Auswertung Systematisch und anonymisiert mit MAXQDA

Projektleitung: Dipl.-Psych. Joachim E. Lask · B.Sc.-Psych. Elena I. Krieger · WorkFamily-Institut

Ausgangslage

Wertvolle Lernerfahrungen bleiben häufig unsichtbar.

Formale Qualifikationen, Zertifikate und berufliche Stationen sind für Organisationen vergleichsweise leicht lesbar. Informelles Lernen ist dagegen oft in Alltagshandlungen eingebettet und zunächst weder benannt noch dokumentiert.

Zwischen einer Erfahrung und ihrer beruflichen Nutzung liegen mehrere Übersetzungs- und Entscheidungsschritte. Selbst ein tatsächlich entwickelter Skill bleibt ungenutzt, wenn Aufgabenpassung, Gelegenheit, Legitimation oder Rückmeldung fehlen. Umgekehrt dürfen Erfahrungen aus Elternschaft, Care, Ehrenamt oder anderen Lebensbereichen nicht pauschal als Skill- oder Eignungsnachweis behandelt werden.

Was Personen mitbringen können

  • reflektierte Erfahrungen;
  • beschreibbare Handlungsmuster;
  • Transfererwartungen und Entwicklungsinteresse.

Was Organisationen ermöglichen müssen

  • eine nicht stereotypisierende Sprache;
  • passende Aufgaben und Erprobungsräume;
  • faire Rückmeldung, Legitimation und Anerkennung.
Die mögliche Ressource liegt bei der Person. Ob sie beruflich anschlussfähig und nutzbar wird, entsteht im Zusammenspiel mit dem Kontext.
Arbeitsbegriff

SkillGates markieren organisationale Entscheidungspunkte.

SKILL-GATE richtet den Blick auf die organisationale Seite des Transfers. SkillGates sind keine Eigenschaften einzelner Beschäftigter und auch nicht ausschließlich Barrieren: Sie können Übergänge öffnen, begrenzen oder vorerst blockieren.

Organisationale SkillGates sind Bedingungen und Entscheidungspunkte, an denen informell entwickelte Skills sichtbar, übersetzbar, erprobbar, legitim oder anerkennbar werden – oder an denen ihr Transfer begrenzt beziehungsweise vorerst blockiert wird.

Feld 01

Wahrnehmungs- und Anerkennungsklima

Welche Formen des Lernens werden gesehen und als relevant behandelt?

Feld 02

Attribution

Wie erklären Führungskräfte und HR, wodurch ein Skill entstanden ist – durch Erfahrung, Persönlichkeit, Rolle, Training oder Leistung?

Feld 03

Sprache & Übersetzung

Wie wird eine biografische Erfahrung in beobachtbares, arbeitsbezogenes Verhalten übersetzt?

Feld 04

Aufgaben- und Rollenpassung

Welche konkreten Aufgaben ermöglichen eine begründete Prüfung und Erprobung?

Feld 05

Psychologische Sicherheit, Freiwilligkeit & Fairness

Kann über informelles Lernen gesprochen werden, ohne Offenlegungsdruck, Stigmatisierung oder Benachteiligung zu erzeugen?

Feld 06

Nutzung, Feedback & Legitimation

Wer ermöglicht Anwendung, wie wird Wirkung beobachtet, und nach welchen Kriterien wird Entwicklung anerkannt?

Vorläufiger Arbeitsrahmen: Diese Felder sind theoriegeleitet und heuristisch. Die qualitative Auswertung soll prüfen, differenzieren und gegebenenfalls erweitern, wie organisationale Akteur*innen solche Bedingungen tatsächlich beschreiben. Sie bilden noch keine empirisch bestätigte, abschließende Taxonomie.

Was wir untersuchen

Wie werden informell entwickelte Skills organisational anschlussfähig?

01

Wahrnehmen

Woran erkennen Geschäftsführungen, Führungskräfte und HR informell entwickelte Skills?

02

Einordnen

Welche Erfahrungen gelten als beruflich relevant, und welche Deutungsmuster oder Zuschreibungen wirken dabei?

03

Ermöglichen

Welche Aufgaben, Gespräche, Führungspraktiken und HR-Prozesse schaffen Gelegenheiten zur Erprobung und Nutzung?

04

Legitimieren

Wie werden informell entwickelte Skills rückgemeldet, fair anerkannt und in Personalentwicklung oder Reboarding berücksichtigt?

Querschnittsfrage: Welche organisationalen Bedingungen fördern den Prozess – und an welchen SkillGates wird er begrenzt oder unterbrochen?
Forschungsdesign

Erfahrungswissen aus Organisationen systematisch erschließen.

Die qualitative, explorative Studie untersucht, wie organisationale Entscheider*innen und Fachverantwortliche Wahrnehmung, Einordnung, Nutzung und Anerkennung informell entwickelter Skills beschreiben.

Leitfadengestützte Interviews

Gespräche mit organisationalen Entscheider*innen und Fachverantwortlichen über konkrete Erfahrungen, Begründungen und Praktiken im Umgang mit informell entwickelten Skills.

Aufbereitung

Die Interviews werden transkribiert, für die Analyse aufbereitet und personenbezogene Angaben für die Auswertung entfernt beziehungsweise anonymisiert.

Qualitative Auswertung

Die Inhalte werden in MAXQDA systematisch codiert, verglichen und zu wiederkehrenden Mustern, Bedingungen und Gegenbeispielen verdichtet.

Modellentwicklung

Der theoretische Arbeitsrahmen wird mit den Interviewbefunden geprüft, differenziert und gegebenenfalls erweitert.

Dokumentation und Transfer

Ergebnisse werden nach Abschluss der Auswertung fachlich eingeordnet und in geeigneter Form veröffentlicht beziehungsweise für Führung, HR, Personalentwicklung und Reboarding übersetzt.

Methodische Grenze: Die Interviewstudie erschließt Deutungsmuster und organisationale Praxisperspektiven. Sie kann deren Verbreitung in der Gesamtpopulation nicht repräsentativ schätzen und keine kausale Wirksamkeit einzelner SkillGates belegen.

Analytischer Blick

Wahrnehmen, übersetzen, legitimieren.

Drei Mechanismen strukturieren die Untersuchung. Sie sind keine zwangsläufige Abfolge: Rückkopplungen, Abbrüche und erneute Einordnungen gehören ausdrücklich zur Forschungslogik.

Mechanismus 01

Wahrnehmen & Attribuieren

  • Welche Handlungsweisen fallen auf?
  • Woran wird Entwicklung erkannt?
  • Welcher Erfahrung wird der mögliche Skill zugeschrieben?
  • Welche Stereotype oder blinden Flecken können wirken?
Mechanismus 02

Übersetzen & Benennen

  • Wie wird Erfahrung ohne unnötige private Details beschrieben?
  • Welche arbeitsbezogene Sprache wird verwendet?
  • Wie werden Kontextunterschiede berücksichtigt?
  • Wann erscheint eine Skillhypothese plausibel?
Mechanismus 03

Nutzen & Legitimieren

  • Wo gibt es eine passende Aufgabe?
  • Wer darf Erprobung ermöglichen?
  • Wie werden Wirkung und Grenzen rückgemeldet?
  • Wann gilt die Nutzung als fair und organisational legitim?
Erproben beobachten rückmelden anpassen

Der Prozess kann an jedem Punkt unterbrochen, erneut geprüft oder bewusst nicht fortgesetzt werden. Eine Skillhypothese wird dadurch nicht automatisch zu einem beruflichen Nachweis.

Wozu die Studie beitragen soll

Ein empirisch fundierterer Blick auf organisationale SkillGates.

Der folgende Beitrag ist Ziel des Projekts. Er beschreibt keine bereits abgeschlossenen Ergebnisse.

Wissenschaftlicher Beitrag

  • den theoretischen SkillGate-Arbeitsrahmen an organisationalen Praxisperspektiven prüfen;
  • Wahrnehmungs-, Übersetzungs- und Legitimationsprozesse differenzierter beschreiben;
  • Bedingungen, Gegenbeispiele und Spannungsfelder identifizieren;
  • die Verbindung zwischen informellem Lernen, Skilltransfer und organisationalem Kontext präzisieren;
  • Ansatzpunkte für weitere qualitative und quantitative Forschung ableiten.

Praktischer Beitrag

  • Reflexionsfragen für Führung und HR entwickeln;
  • Entwicklungs- und Reboardinggespräche fachlich fundieren;
  • Aufgabenpassung und Erprobungsgelegenheiten bewusster gestalten;
  • Freiwilligkeit, Teamfairness und psychologische Sicherheit berücksichtigen;
  • informelles Lernen anerkennen, ohne biografische Rollen zu stereotypisieren.
Keine Abkürzung für Personalauswahl: Im Mittelpunkt stehen faire Entwicklungs- und Nutzungsmöglichkeiten, nicht die Bewertung privater Lebensführung.
Forschungszusammenhang

Von der Selbstreflexion zur organisationalen Nutzung.

SKILL-GATE verbindet die individuelle Reflexion informeller Lernerfahrungen mit der Frage, unter welchen organisationalen Bedingungen mögliche Skills tatsächlich erprobt, genutzt und anerkannt werden können.

Perspektive 01

SCOPE / Parental SkillScan

Wie lassen sich elterliche Erfahrungen und mögliche Skills differenziert reflektieren und beschreiben?

Perspektive 02

SOE & Work-Parent Identity

Welche berufliche Relevanz wird erwartet, und wie werden Eltern- und Berufsrolle miteinander verbunden?

Perspektive 03 · Dieses Projekt

SKILL-GATE

Welche organisationalen Bedingungen beeinflussen Wahrnehmung, Übersetzung, Erprobung und Legitimation?

Perspektive 04

SO: Nutzung & Anerkennung

Werden mögliche Skills im beruflichen Kontext tatsächlich genutzt und anerkannt?

Forschungslogik – keine bestätigte lineare Kausalkette: Die Perspektiven können einander beeinflussen, Rückkopplungen erzeugen oder an unterschiedlichen Punkten unterbrochen werden.

Stand 2026

Erhebung und Auswertung laufen.

SKILL-GATE wird schrittweise entwickelt. Die laufende Auswertung kann den theoretischen Arbeitsrahmen bestätigen, differenzieren, erweitern oder in einzelnen Punkten infrage stellen.

Läuft

Erhebung

Leitfadengestützte Interviews mit Perspektiven aus Organisationen werden geführt.

Läuft

Auswertung

Transkripte werden schrittweise codiert, verglichen und auf wiederkehrende sowie widersprechende Muster geprüft.

Nächster Schritt

Verdichtung

Ein empirisch fundierterer SkillGate-Rahmen und praktische Ansatzpunkte werden erarbeitet.

Zur Ergebnislage: Einzelne Interviews oder frühe Codierungen werden nicht als abschließende Befunde veröffentlicht. Ergebnisse werden erst nach hinreichender Auswertung, Gegenprüfung und fachlicher Einordnung berichtet.

Mitwirken

Perspektiven aus Führung, Geschäftsführung und HR gesucht.

Für die laufende Studie suchen wir Personen, die aus ihrer organisationalen Praxis berichten können, wie informell entwickelte Skills wahrgenommen, eingeordnet und nutzbar gemacht werden – oder warum dies nicht gelingt.

Leitplanken

Informelles Lernen sichtbar machen – ohne private Rollen zu bewerten.

Freiwilligkeit

Niemand muss private Erfahrungen offenlegen oder beruflich nutzen.

Arbeitsbezug

Maßgeblich sind konkrete Aufgaben, beobachtbares Verhalten und nachvollziehbare Kriterien.

Keine pauschalen Zuschreibungen

Elternschaft, Care oder Ehrenamt belegen für sich genommen keinen Skill und keine Eignung.

Fairness & Nichtdiskriminierung

Anerkennung informellen Lernens darf keine neuen Benachteiligungen oder Privilegierungen erzeugen.

Entwicklung statt Selektion

Der Ansatz dient Reflexion, Entwicklung und organisationaler Gestaltung, nicht verdeckter Personalauswahl.

Vertiefen

Theoretische Grundlagen und verwandte Arbeiten.

SKILL-GATE verbindet Forschung zu informellem Lernen, Transfer, Work-Family-Enrichment und psychologischer Sicherheit mit der organisationalen Frage nach Sichtbarkeit, Übersetzung und Nutzung.

Trainingstransfer als Orientierungsrahmen: Bei formalen Trainings sind Lerninhalt und Zielkontext meist vorab benannt. Informell entwickelte Skills müssen dagegen häufig zunächst erkannt, attribuiert und in eine arbeitsbezogene Sprache übersetzt werden. Die klassische Transferforschung bietet deshalb wichtige Bezugspunkte, lässt sich aber nicht unverändert auf informelles Lernen übertragen.

Literaturauswahl

  • Baldwin, T. T. & Ford, J. K. (1988). Transfer of Training: A Review and Directions for Future Research. DOI ↗
  • Ford, J. K., Quiñones, M. A., Sego, D. J. & Sorra, J. S. (1992). Factors Affecting the Opportunity to Perform Trained Tasks on the Job. DOI ↗
  • Barnett, S. M. & Ceci, S. J. (2002). When and Where Do We Apply What We Learn? DOI ↗
  • Eraut, M. (2004). Informal Learning in the Workplace. DOI ↗
  • Edmondson, A. (1999). Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams. DOI ↗
  • Greenhaus, J. H. & Powell, G. N. (2006). When Work and Family Are Allies. DOI ↗
  • Lask, J. E. & Junker, N. M. (2024). Elterliche Skills in Organisationen – Ressourcenzentrierte Führung und Mitarbeit. Springer.
SKILL-GATE

Nicht nur fragen, welche Skills Menschen mitbringen – sondern unter welchen Bedingungen Organisationen sie erkennen und nutzen können.

SKILL-GATE erweitert die Perspektive von der individuellen Erfahrung auf die organisationale Anschlussfähigkeit. Die Studie soll dazu beitragen, informelles Lernen differenzierter wahrzunehmen, Transferbedingungen besser zu verstehen und faire Entwicklungswege in Führung, HR und Organisation zu gestalten.

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