Abgeschlossen Pilotprojekt · Hessen · 2018

WFI-Projektarchiv

Bewusstseinsbildung zum Wert von Familie für das Unternehmen

Wie können Erfahrungen aus Familie und Elternschaft als mögliche Lerngelegenheiten sichtbar werden – ohne daraus automatisch berufliche Skills abzuleiten? Das 2018 geförderte Pilotprojekt verband Workshops, die bereits vorhandene und projektspezifisch angepasste App be:able sowie eine begleitende Pre-Post-Evaluation.

23 Beschäftigte und Führungskräfte aus sieben Unternehmen erprobten einen strukturierten Reflexionsweg vom Alltagserlebnis zur arbeitsbezogenen Benennung. Die Ergebnisse liefern Hinweise und Entwicklungsfragen – keinen kausalen Wirksamkeitsnachweis.

Reflexionsweg im Pilotprojekt

1 Alltagssituation erleben
2 Wahrnehmen & reflektieren
3 Mit be:able benennen & einschätzen
4 Berufliche Anschlussfähigkeit prüfen
Reflexionsweg – kein automatischer Skilltransfer

Projektprofil

Das Projekt auf einen Blick.

Ein zeitlich begrenztes Forschungs-, Transfer- und Evaluationsprojekt zur Wahrnehmung informell eingesetzter Skills und ihrer möglichen beruflichen Anschlussfähigkeit.

ProjektartPilot-, Transfer- und Evaluationsprojekt
ZeitraumSeptember bis November 2018
StatusAbgeschlossen
Beteiligung23 Personen aus sieben Unternehmen
InstrumentAngepasste vorhandene App be:able
EvaluationWFI und Goethe-Universität Frankfurt
Gefördert vom Land Hessen über die hessenstiftung – familie hat zukunft.

Zusammenarbeit mit der Hessenstiftung

Zwei Projekte – eine weiterentwickelte Fragestellung.

Das Pilotprojekt von 2018 war nicht der Beginn der Zusammenarbeit. Bereits 2012 bearbeiteten die Hessenstiftung und das WorkFamily-Institut gemeinsam die Frage, wie informelles Lernen in der Personalentwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen systematisch berücksichtigt werden kann.

2012 Erstes gemeinsames Projekt

Informelles Lernen und dessen systematische Nutzung in der Personalentwicklung

Aus einem Werkstattseminar für kleine und mittlere Unternehmen entstand eine Handreichung von Joachim E. Lask und Elisabeth Rosar. Sie formulierte einen achtstufigen, praxisbezogenen Leitfaden – von der Reflexion eigener Lernerfahrungen und einem verhaltensnahen Kompetenzmodell bis zur Einführung in Mitarbeitergespräche, Führungskräfteschulung und Prozessbegleitung.

Handreichung von 2012 als PDF öffnen

2018 Pilot- und Evaluationsprojekt

Bewusstseinsbildung zum Wert von Familie für das Unternehmen

Das spätere Projekt richtete den Blick gezielt auf Familie und Elternschaft als mögliche Lernräume. Workshops, be:able, Befragungen und eine Abschlussveranstaltung verbanden Sensibilisierung, digitale Selbstbeobachtung und eine explorative Evaluation.

Im Mittelpunkt stand nicht die pauschale Aufwertung von Elternschaft, sondern die Frage, wie Erfahrungen reflektiert, verhaltensnah benannt und auf konkrete berufliche Situationen bezogen werden können.

Was sich weiterentwickelte: 2012 stand ein organisationsbezogener Einführungsleitfaden im Vordergrund. 2018 wurde die Perspektive durch einen strukturierten Reflexionsprozess, die App-Nutzung und eine begleitende Evaluation vertieft. Die damaligen Aussagen werden heute wissenschaftlich vorsichtiger gefasst: Informelle Lerngelegenheiten können Entwicklung anregen, erzeugen aber nicht automatisch bestimmte Skills.

Projektarchitektur 2018

Befragen, sensibilisieren, reflektieren, erneut befragen, auswerten.

Die fünf Schritte verbanden Forschung und Transfer. Sie bildeten ein zusammengesetztes Programm und wurden nicht als voneinander unabhängige Einzelinterventionen untersucht.

1

Online-Befragung I

Bestandsaufnahme zu Arbeits- und Familiensituation, Unternehmensklima, Identifikation, Vereinbarkeit, Enrichment und Erschöpfung.

2

Workshops

Getrennte Sensibilisierung von Beschäftigten mit Familienaufgaben sowie Führungskräften und Unternehmensverantwortlichen.

3

be:able

Alltagssituationen dokumentieren, mögliche Skills zuordnen und deren Gelingen, berufliche Bedeutung und Entwicklungsinteresse einschätzen.

4

Online-Befragung II

Wiederholung der Ausgangsfragen, Programmbewertung und anonymisierte Auswertung aggregierter App-Nutzungsdaten.

5

Abschluss

Ergebnispräsentation, Einordnung, Diskussion und Ableitung erster Handlungsempfehlungen mit den Beteiligten.

Die Evaluation bezog sich auf das zusammengesetzte Programm. Der Beitrag einzelner Bestandteile – insbesondere der App – kann nicht isoliert bestimmt werden.

Instrument im Projekt

Vorhandene App, für das Pilotprojekt angepasst.

be:able gab es bereits vor dem Hessenstiftungsprojekt. Im Projekt wurde die vorhandene App inhaltlich und optisch angepasst, eingesetzt und evaluiert.

1

Situation dokumentieren

Eine Alltagssituation wurde mit einer Überschrift und optional einer kurzen Erläuterung festgehalten.

2

Mögliche Skills zuordnen

Aus einem projektspezifischen Katalog mit 46 Begriffen konnten passende Skills ausgewählt werden. Definitionen und verhaltensnahe Beschreibungen dienten als Orientierung.

3

Selbst einschätzen

Die Nutzer*innen bewerteten Gelingen, wahrgenommenen beruflichen Nutzen und den Wunsch nach weiterem Training auf Fünf-Sterne-Skalen.

Selbstreflexion – keine automatische Erkennung und keine objektive Kompetenzmessung.

be:able in der WFI-Entwicklungslinie einordnen

Pilotstichprobe

23 Personen aus sieben kleinen Unternehmen.

Die beteiligten Unternehmen hatten laut Projektbericht jeweils zwischen einer und 50 beschäftigten Personen. Die Stichprobe war klein und selbstselektiert.

7hessische bzw. rheinhessische Unternehmen
23Personen in der Eingangsbefragung
12Personen mit Führungsverantwortung
18Personen in der zweiten Befragung
12mindestens drei Tage dokumentierte App-Nutzung

Die 23 Teilnehmenden waren 34 bis 56 Jahre alt (M = 45,60) und hatten mindestens ein Kind. Der Bericht dokumentiert 12 Männer und 11 Frauen; diese Angaben beschreiben die damalige Stichprobe und kein vollständiges heutiges Geschlechtermodell. Am Workshop für Beschäftigte mit Familienaufgaben nahmen 13 Personen teil. Der Führungskräfteworkshop erreichte neun Führungskräfte, darunter sieben Geschäftsführungen. 16 Personen registrierten sich in be:able; 12 nutzten die App mindestens an drei aufeinanderfolgenden Tagen.

Datengrundlage

Befragungsdaten, Nutzungsspuren und subjektive Einschätzungen.

Die drei Datenquellen beleuchten unterschiedliche Ebenen. Keine von ihnen erfasst Skills oder Arbeitsleistung objektiv.

Pre-Post-Befragung

Arbeits- und familienbezogene Selbsteinschätzungen vor und nach dem Programm: 23 Personen zu Beginn, 18 in der zweiten Befragung.

Aggregierte App-Daten

84 dokumentierte Situationen mit insgesamt 350 Skill-Auswahlen und -Einschätzungen von 12 ausreichend aktiven Personen.

Nachbefragung

16 App-Nutzer*innen wurden eingeladen, 12 antworteten. Der Rücklauf lag damit bei 75 Prozent.

Deskriptive Befunde

Hohe Ausgangswerte, kleine Veränderungen, keine kausalen Schlüsse.

Das Profil blieb über den kurzen Projektzeitraum weitgehend stabil. Kleine Veränderungen traten in beide Richtungen auf.

MerkmalVorherNachherVorsichtige Einordnung
Familienfreundliches Unternehmensklima4,024,08Nahezu unverändert; bereits hoher Ausgangswert
Identifikation mit dem Unternehmen4,304,44Kleine deskriptive Zunahme
Identifikation mit dem Team4,354,40Kleine deskriptive Zunahme
Vorgesetztenverhalten3,803,63Kleine deskriptive Abnahme
Zufriedenheit mit der Vereinbarkeit3,933,83Kleine deskriptive Abnahme
Bereicherung des Berufs durch die Familie3,873,87Unverändert
Chronische Erschöpfung2,842,87Nahezu unverändert; abweichende Skala

Die ersten sechs Merkmale wurden auf fünfstufigen Skalen erfasst, chronische Erschöpfung auf einer vierstufigen Skala. Die Zahl der auswertbaren Personen kann je Skala variieren.

Die Pre-Post-Werte zeigen ein überwiegend stabiles Profil mit kleinen deskriptiven Veränderungen in beide Richtungen. Daraus lässt sich keine kausale Wirkung des Programms oder der App ableiten.

Stimme der Teilnehmenden

Beobachten und benennen wurde subjektiv am stärksten unterstützt.

In der zweiten Befragung schätzten die Teilnehmenden rückblickend ein, welchen persönlichen Nutzen sie aus dem Gesamtprogramm gezogen hatten.

4,06Eigene Skills genauer beobachtenMittelwert auf einer Skala von 1 bis 5
4,00Eigene Skills besser benennenMittelwert auf einer Skala von 1 bis 5
3,72Skills bewusster im Beruf einsetzenMittelwert auf einer Skala von 1 bis 5
3,67Skills besser bei Vorgesetzten ansprechenMittelwert auf einer Skala von 1 bis 5
Die Angaben beschreiben, wie die Teilnehmenden ihren Nutzen rückblickend einschätzten. Sie belegen nicht, dass Skills tatsächlich häufiger oder wirksamer im Beruf eingesetzt wurden.

Selbstbeobachtung im Alltag

84 Situationen – 350 Skill-Auswahlen.

Die App-Daten zeigen, welche Begriffe die kleine Pilotgruppe für ihre dokumentierten Situationen auswählte und wie sie diese subjektiv bewertete.

3,3 / 5„Gelingt mir gut“
3,9 / 5Wahrgenommener beruflicher Nutzen
3,4 / 5Wunsch nach weiterem Training

Häufig ausgewählte Begriffe

GeduldKonkret lobenEmotionsregulationZeitmanagementAktives ZuhörenDankbarkeitFrustrationstoleranzAnleitenSelbstmanagementKommunikationsfähigkeit
Die Auswahlhäufigkeit beschreibt diese Pilotgruppe und den damaligen Katalog. Sie ist weder ein Profil aller Eltern noch eine Rangfolge beruflich wichtiger Skills.

Zentrale Bedingung

Ohne informationelle Selbstbestimmung kein geschützter Lernraum.

Die Pilotgruppe befürwortete mögliche Einsatzfelder von be:able – aber ausdrücklich unter Bedingungen, die private Erfahrungen und persönliche Daten schützen.

Mehr als 80 % · N = 12befürworteten einen möglichen Einsatz für Eltern während oder nach der Elternzeit.
Mehr als 80 % · N = 12befürworteten einen möglichen Einsatz für Beschäftigte, die informell entwickelte Skills beruflich nutzen möchten.
Mehr als 90 % · N = 12befürworteten einen möglichen Einsatz für Führungskräfte zur Reflexion eigener informeller Lernkontexte.
Skillreflexion braucht einen geschützten Raum. Ohne Freiwilligkeit und informationelle Selbstbestimmung wird aus einer Lernchance ein Offenlegungsrisiko.

Was die Daten nicht zeigen

Ein Pilotprojekt liefert Hinweise, keinen Wirksamkeitsbeweis.

Die Grenzen gehören zur Ergebnisinterpretation. Sie verhindern, dass subjektive Einschätzungen oder kurze Pre-Post-Verläufe als objektiver Transfer- oder Wirkungsnachweis gelesen werden.

Kleine Auswahl

Selbstselektierte Pilotstichprobe aus sieben kleinen Unternehmen; keine Repräsentativität.

Teilnahmeverlauf

23 Personen zu Beginn, 18 in der zweiten Befragung und 12 mit mindestens dreitägiger App-Nutzung.

Hohe Ausgangswerte

Familienfreundlichkeit und Identifikation waren bereits vor dem Programm hoch.

Kein Vergleich

Keine Kontrollgruppe, keine Randomisierung und eine kurze Interventions- und Beobachtungsdauer.

Zusammengesetztes Programm

Workshops, Befragungen und App-Nutzung lassen keine isolierte App-Wirkung bestimmen.

Überwiegend Selbstberichte

Keine objektive Messung von Skills, Verhalten, Arbeitsleistung, Produktivität, Employability oder Arbeitgeberattraktivität.

Kein Langzeitnachweis

Nachhaltiger beruflicher Transfer und längerfristige organisationale Nutzung wurden nicht untersucht.

Historischer Kontext

Die Daten dokumentieren das Programm und den Stand von be:able im Jahr 2018.

Keine Eltern-Automatik

Aus Elternschaft oder Familienerfahrung lassen sich weder bestimmte Skills noch berufliche Eignung ableiten.

Das Projekt liefert Hinweise darauf, dass ein kurzer, strukturierter Reflexionsprozess die Wahrnehmung und Sprache für informell eingesetzte Skills unterstützen kann. Ob und unter welchen Bedingungen daraus nachhaltiger beruflicher Transfer oder organisationale Wirkung entsteht, bleibt weiter zu untersuchen.

Heutige WFI-Entwicklungslinie

Von der systematischen Personalentwicklung zu differenzierten Transfermodellen.

Die Projekte von 2012 und 2018 markieren frühe anwendungsbezogene Etappen. Spätere Studien und Instrumente differenzieren stärker zwischen Lerngelegenheit, Skill, Identitätsintegration, Transfererwartung, tatsächlicher Nutzung und organisationalen Bedingungen.

2012Werkstattseminar & Handreichung

Acht Schritte zur Berücksichtigung informellen Lernens in der Personalentwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen.

Vor 2018be:able

Digitales Reflexionstagebuch zur situationsbezogenen Wahrnehmung und Benennung informell eingesetzter Skills.

2018Hessenstiftungsprojekt

Verbindung aus Sensibilisierung, App-gestützter Selbstbeobachtung, Transferreflexion und Evaluation.

DanachScan Your Skills

Weiterführung der Frage, wie informell eingesetzte Skills wahrgenommen und auf berufliche Kontexte bezogen werden.

HeutePSS · WPI · SKILL-GATE

Differenzierung von Skillprofil, Identitätsintegration, Transfererwartung, Nutzung, Anerkennung und SkillGates.

Heutige fachliche Einordnung des WFI: Reflexion allein genügt nicht. Für nachhaltigen Skilltransfer sind auch Aufgabenpassung, freiwillige Erprobung, Identitätsintegration, Führung und organisationale SkillGates relevant.

Dokumentation

Projektberichte und fachliche Anschlüsse.

Die historischen Materialien machen die Entwicklung von der organisationsbezogenen Handreichung 2012 zum Pilot- und Evaluationsprojekt 2018 nachvollziehbar.

Förderung

Land Hessen

Über die hessenstiftung – familie hat zukunft.

Durchführung

WorkFamily-Institut

Projektleitung: Dipl.-Psych. Joachim E. Lask.

Evaluation 2018

Goethe-Universität Frankfurt

Gemeinsam mit der Abteilung für Sozialpsychologie.

Handreichung 2012: Joachim E. Lask & Elisabeth Rosar. Projektbericht 2018: Joachim E. Lask, Elisabeth Gärtner & Dr. Nina M. Junker. Beide Dokumente sind historische Projektmaterialien und keine peer-reviewten Fachpublikationen.

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