Abgeschlossenes digitales Entwicklungsprojekt · Archiv

be:able

Digitale Skillreflexion im Alltag – wahrnehmen, benennen und einschätzen

Was wir im Alltag häufig tun, können wir nicht immer präzise benennen. be:able setzte deshalb bei konkreten Situationen an: Handeln dokumentieren, mögliche Skills auswählen, das Gelingen einschätzen und wiederkehrende Muster reflektieren.

Die App bestand bereits vor 2018, wurde in mehreren WFI-Projekten eingesetzt und bildet heute eine abgeschlossene Entwicklungsstufe. Sie war ein Reflexionsinstrument – kein objektiver Kompetenztest.

be:able · Reflexionsweg
01Situation
02Skillbegriff
03Einschätzung
04Muster
Vom konkreten Tun zur reflektierten Skillhypothese
Projektprofil

be:able auf einen Blick.

be:able war ein digitales Skilltagebuch des WorkFamily-Instituts. Es verband situationsbezogene Selbstbeobachtung mit sprachlicher Orientierung und strukturierter Selbsteinschätzung.

FormatMobile Skill-App und digitales Skilltagebuch
FokusInformelles Lernen und Skillreflexion
EntstehungVor 2018; kein gesichertes exaktes Einführungsjahr
AnwendungenUnter anderem 2018 und in „Scan Your Skills“
Status heuteAbgeschlossenes Entwicklungsprojekt und Archiv
ErgebnisEntwicklungswissen und explorative Pilotbefunde
Klare Einordnung: kein aktueller App-Download, kein diagnostischer Test und kein Kompetenznachweis.
Warum be:able?

Erfolgreiches Handeln bleibt oft namenlos.

Informelles Lernen kann bei der Bewältigung konkreter Anforderungen in Alltag, Familie, Care, Ehrenamt, Sport oder Beruf stattfinden. Es verläuft häufig ohne Lehrplan, Zertifikat oder bewusste Lernabsicht – und bleibt deshalb sprachlich schwer greifbar.

Rollenbegriffe allein reichen nicht: Elternschaft, Care oder Ehrenamt sagen noch nichts darüber aus, wie eine Person tatsächlich handelt. be:able sollte Wahrnehmung und Benennung strukturieren, nicht Menschen automatisch klassifizieren.

Vom Erleben …

Konkretes Geschehen betrachten

  • eine konkrete Situation;
  • das tatsächliche Handeln;
  • die beobachtete Wirkung.
… zur prüfbaren Skillhypothese

Sprache und Reflexion ergänzen

  • einen passenden Begriff prüfen;
  • Definition und Verhalten vergleichen;
  • das Gelingen einschätzen;
  • weitere Anwendungen und Rückmeldungen einbeziehen.
Eine Erfahrung ist noch kein Skill. Häufiges Handeln ist nicht automatisch kompetentes Handeln – und eine in einem Kontext plausible Handlungsressource ist nicht automatisch auf einen anderen Kontext übertragbar.
Nicht: Was kannst du? Sondern: Was tust du?

Die Situation war der Ausgangspunkt.

„Was machst du?“

Die Frage lenkte den Blick weg von pauschalen Selbstetiketten und hin zu beobachtbarem Verhalten. Erst danach wurden mögliche Skillbegriffe, Definitionen und Einschätzungen einbezogen.

1

Situation festhalten

Eine konkrete Alltagserfahrung zeitnah dokumentieren.

2

Handeln beschreiben

Festhalten, was die Person tatsächlich getan hat.

3

Skill auswählen

Einen plausiblen Begriff anhand von Definitionen prüfen.

4

Gelingen einschätzen

Die eigene Ausführung auf einer fünfstufigen Skala beurteilen.

5

Muster prüfen

Mehrere Situationen vergleichen und wiederkehrende Hinweise erkennen.

be:able strukturierte eine Selbstbeobachtung. Die App entschied nicht, welcher Skill tatsächlich vorlag.
Was die App ermöglichte

Tagebuch, Orientierung, Einschätzung und Feedback.

be:able wurde im Lauf der Entwicklung erweitert und für einzelne Projekte unterschiedlich konfiguriert. Deshalb waren nicht alle Funktionen zu jedem Zeitpunkt identisch verfügbar.

Situation dokumentieren

Konkretes Handeln mit Überschrift und Erläuterung festhalten.

Skillkatalog nutzen

Begriffe anhand von Definitionen und verhaltensnahen Beschreibungen prüfen.

Gelingen einschätzen

Den eigenen Einsatz eines ausgewählten Skills subjektiv beurteilen.

Feedback einholen

In späteren Versionen freiwillig eine Fremdeinschätzung per Einmal-Link anfragen.

PDF-Bericht erhalten

Eigene Einträge, Kontexte und Einschätzungen zusammenfassen.

Der persönliche PDF-Bericht bündelte Eingaben der Nutzer*innen. Er war weder normiert noch mit einem psychologischen Testreport, Zertifikat oder Kompetenznachweis gleichzusetzen.
Anwendungskontext 2018

Vorhandene App, projektbezogen angepasst.

be:able wurde nicht im Hessenstiftungsprojekt entwickelt. Die bereits vorhandene App wurde 2018 inhaltlich und optisch angepasst, eingesetzt und als Teil eines kombinierten Programms explorativ ausgewertet.

Die Projektversion enthielt laut Bericht einen Katalog mit 46 Skillbegriffen. Zu jeder dokumentierten Situation konnten mehrere Skills ausgewählt und drei subjektive Einschätzungen vorgenommen werden: „Gelingt mir gut“, „Macht mich zu einer besseren Mitarbeiterin beziehungsweise einem besseren Mitarbeiter“ und „Will ich weiter trainieren“.

Eingangsbefragung
Sensibilisierungsworkshops
App-Nutzung
Zweite Befragung & Auswertung
Abschlussveranstaltung
16Registrierungen in be:able
12mindestens drei Tage aktive Nutzer*innen
84dokumentierte Alltagssituationen
350Skill-Auswahlen und -Einschätzungen

An der Eingangsbefragung nahmen 23 Personen aus sieben kleinen Unternehmen teil; 18 beteiligten sich an der zweiten Befragung. Die Zahlen 84 und 350 beziehen sich auf unterschiedliche Einheiten: Situationen einerseits, darin vorgenommene Skill-Auswahlen und -Einschätzungen andererseits.

Die 2018 berichteten Veränderungen und subjektiven Nutzenangaben beziehen sich auf das zusammengesetzte Programm. Der eigenständige Beitrag der App kann daraus nicht isoliert bestimmt werden.
Zwei Wochen wiederholte Reflexion

Wie hängt Nutzung mit der Sprache für Skills zusammen?

Die Pilotstudie „Scan Your Skills“ fragte, ob Personen ihre informell eingesetzten Skills definitionsnäher und verhaltensbezogener beschreiben konnten, wenn sie be:able häufiger nutzten.

34Teilnehmende
14Tage App-Nutzung
3–33Situationen pro Person
13,6Situationen im Mittel (SD = 9,3)
Freie Beschreibung

Eigene Worte statt Auswahlantwort

Die Teilnehmenden beschrieben selbst, was der ausgewählte Skill für sie bedeutete.

Menschliche Beurteilung

Trainierte Rater*innen prüften die Nähe

Beurteilt wurden die Übereinstimmung mit der allgemeinen Skilldefinition und mit verhaltensnahen Beschreibungen. Es handelte sich nicht um automatische Text- oder KI-Analyse.

Die Stichprobe umfasste 28 Frauen (M = 39,0 Jahre; SD = 11,0) und sechs Männer (M = 41,3 Jahre; SD = 12,1). Die damalige Erhebung bildete Geschlecht binär ab.

Zusammenhänge – keine Kausalbelege

Häufigere Nutzung ging mit präziseren Beschreibungen einher.

In der kleinen Pilotstichprobe hing häufigere App-Nutzung mit definitionsnäheren Skillbeschreibungen zusammen. Die beiden Ergebnisse betrachten unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe.

Allgemeine Skilldefinition r = 0,291; p < 0,05

Positiver Zusammenhang zwischen Nutzungshäufigkeit und Übereinstimmung der freien Beschreibung mit der allgemeinen Definition.

Verhaltensnahe Skillbeschreibung r = 0,375; p < 0,05

Positiver Zusammenhang zwischen Nutzungshäufigkeit und Übereinstimmung mit verhaltensnahen Beschreibungen.

Wiederholte Reflexion und präzisere Skillbeschreibungen traten gemeinsam auf. Ob die häufigere App-Nutzung die Ursache war, lässt sich aus den Daten nicht ableiten.

Es gab keine zufällige Zuweisung verschiedener Nutzungsintensitäten. Motivation, Reflexionsinteresse, Sprachvermögen, Ausgangswissen oder weitere unbeobachtete Merkmale können die Zusammenhänge mit beeinflusst haben.

Wissenschaftliche Einordnung

Reflexionspotenzial statt Kompetenzbeweis.

Nutzung, subjektive Selbsteinschätzung und extern beurteilte Skillbeschreibung sind drei verschiedene Ergebnisebenen. Sie dürfen nicht zu einer einheitlichen „Wirksamkeit der App“ zusammengezogen werden.

Hinweise auf …

mögliches Reflexionspotenzial

  • Nutzen wiederholter Selbstbeobachtung
  • sprachliche Präzisierung
  • Bedeutung verhaltensnaher Definitionen
  • Unterstützung informeller Lernreflexion
Kein Beleg für …

objektive Kompetenz oder Wirkung

  • objektiven Skillerwerb
  • tatsächliche berufliche Leistung
  • nachhaltigen Transfer
  • automatische Führungskompetenz
  • Produktivitätssteigerung
  • diagnostische Validität der App
Die Befunde sprechen für das Potenzial wiederholter, strukturierter Reflexion. Sie belegen weder objektiven Skillerwerb noch beruflichen Transfer oder Leistungssteigerung.
Grenzen der damaligen Untersuchungen

Kleine Pilotprojekte, begrenzte Reichweite.

Die Untersuchungen waren auf Entwicklung und erste Exploration ausgerichtet. Ihre Grenzen gehören deshalb sichtbar zur fachlichen Einordnung.

Kleine StichprobenSelbstselektiert und nicht repräsentativ.
Überwiegend SelbstberichteSubjektive Einschätzungen statt objektiver Leistungsmessung.
Keine Normierungbe:able war kein psychometrisch normiertes Testverfahren.
Keine isolierte App-Wirkung2018 waren Workshops, Befragungen und App-Nutzung kombiniert.
Korrelative AuswertungKeine experimentelle Zuweisung unterschiedlicher Nutzungsintensitäten.
Kurze ZeiträumeKeine gesicherte Aussage zu langfristiger Verhaltensänderung.
Kein TransferautomatismusAlltagshandeln ist nicht automatisch beruflich anschlussfähig.
Historischer StandTechnik, Begriffe und Projektlogik spiegeln eine frühere Entwicklungsphase.
be:able war ein Entwicklungs- und Reflexionsinstrument. Die Pilotbefunde begründen weitere Fragen – keine allgemeine Wirksamkeitsaussage.
Private Erfahrung bleibt privat

Reflexion braucht Freiwilligkeit und Schutz.

Ein digitales Skilltagebuch berührt private Situationen und persönliche Deutungen. Auch als historische Dokumentation bleibt deshalb entscheidend, unter welchen Bedingungen ein solcher Ansatz verantwortbar ist.

Persönliche Hoheit

Situationen und Einträge gehören der jeweiligen Person.

Keine Arbeitgeberansicht

Führung und HR erhalten keinen automatischen Zugriff auf Tagebuchinhalte.

Feedback nur auf Einladung

Fremdeinschätzungen setzen eine aktive, freiwillige Einladung voraus.

Keine Personalbewertung

Einträge gehören nicht in Auswahl, Leistungsakte oder Beförderungsentscheidung.

Ein digitales Skilltagebuch darf kein Zugangstor zur Bewertung privater Lebensführung werden.
Fachliche Entwicklung

Von der Frage des informellen Lernens zur digitalen Skillreflexion.

Die Chronik beschreibt eine fachliche Entwicklungslinie. Sie behauptet weder eine durchgehend lineare technische Versionsfolge noch, dass be:able bereits 2012 eingesetzt wurde.

2012 · fachliche Vorgeschichte

Informelles Lernen in der Personalentwicklung

Ein erstes Hessenstiftungsprojekt untersuchte die systematische Nutzung informellen Lernens in kleinen und mittleren Unternehmen. be:able wurde dort nach heutiger Quellenlage weder eingesetzt noch entwickelt.

Handreichung 2012 öffnen (PDF)

Vor 2018

be:able besteht bereits

Das digitale Skilltagebuch wird entwickelt. Ein exaktes Einführungsjahr wird mangels hinreichend belastbarer Quelle nicht behauptet.

2018

Anpassung und Einsatz im Hessenstiftungsprojekt

Die vorhandene App wird in ein Workshop- und Evaluationsprogramm eingebettet und von einer kleinen Pilotgruppe genutzt.

Projektbericht 2018 öffnen (PDF)

Spätere Entwicklungsphase

Pilotstudie „Scan Your Skills“

be:able wird zwei Wochen lang als Wahrnehmungs- und Reflexionsinstrument eingesetzt. Untersucht wird der Zusammenhang zwischen Nutzungshäufigkeit und Präzision freier Skillbeschreibungen.

2024

Fachliche Dokumentation

Funktionsweise und Pilotbefunde werden in „Elterliche Skills in Organisationen – Ressourcenzentrierte Führung und Mitarbeit“ ausführlich eingeordnet.

Heute

Abgeschlossenes Entwicklungsprojekt und Archiv

be:able wird als historischer Baustein der WFI-Instrumenten- und Forschungslinie dokumentiert – nicht als aktuelles App-Angebot.

Was aus der Fragestellung weitergeführt wurde

Andere Instrumente, dieselbe Grundfrage – differenzierter gestellt.

Wie werden informell entwickelte oder eingesetzte Handlungsressourcen wahrnehmbar, sprachlich zugänglich und beruflich anschlussfähig? Spätere WFI-Projekte beantworten jeweils einen anderen Teil dieser Frage.

Reflexionsstudie

Scan Your Skills

Untersucht wiederholte Skillbenennung und Reflexion; kein Testverfahren.

Selbstbericht

Parental SkillScan

Standardisiertes, theoriegeleitetes Verfahren mit Report; kein Tagebuch und kein Eignungstest.

Identitätsforschung

Work-Parent Identity

Untersucht die erlebte Verbindung von Elternrolle und beruflichem Selbstverständnis.

Organisation

SKILL-GATE

Untersucht Bedingungen für Wahrnehmung, Übersetzung, Erprobung und legitime Nutzung.

Dialog

Scan Your Skills – GPT

Entwickelt situationsbezogene Skill-Hypothesen und Transferfragen; keine automatische Kompetenzerkennung.

Diese WFI-Entwicklungslinie beschreibt fachliche Kontinuität. Sie bedeutet nicht, dass jedes spätere Instrument unmittelbar aus be:able entstand oder durch die App empirisch validiert wurde.
Vertiefen

Projektberichte, Forschung und heutige Anschlüsse.

Historische Materialien dokumentieren den jeweiligen Entwicklungsstand. Aktuelle WFI-Seiten führen die Forschungsfragen mit präziseren Konstrukten und klareren Grenzen weiter.

Publikation

Elterliche Skills in Organisationen

Joachim E. Lask & Nina M. Junker (2024): Elterliche Skills in Organisationen – Ressourcenzentrierte Führung und Mitarbeit.

Kapitel 6.4 dokumentiert die be:able-Logik und die Pilotbefunde im fachlichen Zusammenhang.

Zur Publikationsseite

Sie interessieren sich für die Entwicklung digitaler Reflexionsinstrumente oder für Forschung zu informellem Lernen und Skilltransfer?

Das WorkFamily-Institut verbindet wissenschaftliche Einordnung mit der Frage, unter welchen Bedingungen Reflexion, Transfer und organisationale Nutzung verantwortbar gestaltet werden können.

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