Buch · Springer 2017

Gute Eltern sind bessere Mitarbeiter

Eine frühe Gegenposition zum Defizitblick auf Elternschaft – und der Ausgangspunkt einer weiterentwickelten Forschungsfrage

Das Buch machte sichtbar, was in der damaligen Vereinbarkeits- und Personaldebatte leicht übersehen wurde: Familie kann nicht nur Belastung, sondern auch ein Ort intensiven informellen Lernens sein.

Buchcover Gute Eltern sind bessere Mitarbeiter von Joachim E. Lask und Ralph Kriechbaum

Der damalige Perspektivwechsel

Elternschaft aus der Defizitnische holen

Vereinbarkeit wurde lange vor allem über Abwesenheit, Einschränkung und zusätzliche Belastung verhandelt. Das Buch setzte dem eine bewusst pointierte These entgegen: Wer in der Familie Verantwortung übernimmt, bewältigt komplexe soziale, emotionale und organisatorische Anforderungen – und kann daran lernen.

Der Titel war als Gegenposition notwendig: Eltern sollten nicht nur als betriebliches Vereinbarkeitsproblem gesehen werden, sondern auch als Menschen mit möglicherweise wertvollen Lern- und Entwicklungserfahrungen.

Wichtig für die heutige Lektüre: Der Titel ist eine zugespitzte These, kein allgemeiner empirischer Satz. Elternschaft macht Menschen nicht automatisch kompetenter und nicht jede familiär erworbene Handlungsweise ist für jede berufliche Aufgabe anschlussfähig.

Drei Kernanliegen

Was das Buch in die Diskussion eingebracht hat

01 · SPRACHE

Erfahrungen benennbar machen

Eltern sollten konkrete, in der Familie erprobte Handlungsweisen beschreiben können – nicht als pauschale Selbstaufwertung, sondern als Ausgangspunkt für Reflexion und Dialog.

02 · TRANSFER

Lebensbereiche nicht künstlich trennen

Lernen und Ressourcen können zwischen Familie und Arbeit in beide Richtungen wirken. Elternzeit ist damit nicht notwendig eine Zeit ohne Entwicklung.

03 · ORGANISATION

Informelles Lernen in HR ernst nehmen

Führung und Personalentwicklung sollten auch Erfahrungen außerhalb formaler Weiterbildung wahrnehmen – ohne sie vorauszusetzen oder Menschen auf private Rollen festzulegen.

Kontinuität und Präzisierung

Was bleibt – und was das WFI heute genauer fasst

Die ressourcenorientierte Grundidee bleibt tragfähig. Weiterentwickelt wurde vor allem die Frage, wann aus einer Erfahrung tatsächlich ein beschreibbarer, übertragbarer und im Beruf nutzbarer Skill wird.

GrundideeBleibt: Familie kann ein bedeutsamer informeller Lernraum sein.
ElternstatusPräzisierung: Elternschaft selbst ist kein Kompetenznachweis. Relevant sind konkrete Anforderungen, Handlungen, Reflexion, Wiederholung und Rückmeldung.
Strukturelle ÄhnlichkeitPräzisierung: Ähnliche Anforderungen in Familie und Beruf begründen eine Transferhypothese, aber noch keinen Beleg tatsächlicher Übertragung.
SichtbarkeitErweiterung: Ein möglicher Skill muss erkannt, sprachlich übersetzt, passend erprobt und in der Organisation legitim nutzbar werden.
VerantwortungErweiterung: Nicht nur die einzelne Person, auch Führung, Team, HR und Organisation beeinflussen Nutzung und Anerkennung.
FairnessErweiterung: Ressourcenorientierung darf weder Eltern privilegieren noch Kinderlose abwerten. Entscheidend sind konkrete Fähigkeiten und ihre Aufgabenpassung.

Fachliche Entwicklung

Von der Gegenposition zum differenzierten Transfermodell

  1. 2017

    Gegenposition

    „Gute Eltern sind bessere Mitarbeiter“ richtet den Blick auf Familie als Kompetenz- und Lernraum und fordert Organisationen zu einem Ressourcenwechsel auf.

  2. 2024

    Fachliche Systematisierung

    „Elterliche Skills in Organisationen“ verbindet Work-Family-Enrichment, Forschung zu berufstätigen Eltern, Skillentwicklung, Führung und Anwendungsbeispiele.

  3. HEUTE

    Übergänge und Bedingungen

    PSS, Work-Parent Identity und SKILL-GATE unterscheiden Wahrnehmung, Reflexion, Transfererwartung, Erprobung, Nutzung und Anerkennung.

Die heutige Position widerruft die frühere Ressourcenperspektive nicht. Sie macht genauer sichtbar, unter welchen Bedingungen deren Versprechen trägt – und wo seine Grenzen liegen.

Das Buch heute lesen

Als Ausgangspunkt einer Forschungs- und Entwicklungslinie

Das Buch dokumentiert einen wichtigen Perspektivwechsel: weg von der ausschließlichen Defizitbetrachtung, hin zur Frage nach Ressourcen und informellem Lernen. Seine pointierten Aussagen sollten im Licht der späteren Forschung gelesen werden – als Impuls, Hypothese und Entwicklungsauftrag, nicht als pauschales Urteil über Eltern oder Beschäftigte.

Bibliografische Angaben

Zum Buch

  • AutorenJoachim E. Lask · Ralph Kriechbaum
  • TitelGute Eltern sind bessere Mitarbeiter
  • Verlag · JahrSpringer Berlin, Heidelberg · 2017
  • Auflage1. Auflage
  • UmfangXXIII, 431 Seiten
  • ISBN Hardcover978-3-642-34808-2
  • ISBN eBook978-3-642-34809-9
  • DOI10.1007/978-3-642-34809-9 ↗

Publikationen und Weiterentwicklung

Die heutige Forschungsperspektive vertiefen

Auf der Publikationsseite finden Sie Bücher, Forschungsberichte und Working Papers. Das Buch von 2024 und die aktuellen Forschungsseiten führen die 2017 eröffnete Frage differenziert weiter.

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