Forschungs- und Entwicklungsprogramm zu elterlichen Skills

Der Parental SkillScan · PSS ist ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm des WorkFamily-Instituts. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie elterliche Alltagserfahrungen fachlich beschrieben, reflektiert und in Bezug auf berufliche Kontexte eingeordnet werden können.

Elternschaft wird dabei nicht romantisiert. Der PSS geht nicht davon aus, dass Eltern automatisch kompetenter, belastbarer oder führungsstärker sind. Die Grundannahme ist differenzierter: Elternschaft kann ein intensiver informeller Lern- und Erfahrungsraum sein. Ob daraus beruflich anschlussfähige Kompetenzen entstehen, hängt von Reflexion, Benennung, Transfer, Kontext und Anerkennung ab.

Das WorkFamily-Institut dokumentiert an dieser Stelle die theoretische Entwicklung, Modellbildung, Skalenentwicklung, psychometrische Prüfung und Veröffentlichung der Arbeiten zum PSS.

Worum geht es?

Viele Kompetenzen entstehen nicht ausschließlich in formalen Bildungswegen, Trainings oder beruflichen Rollen. Sie entwickeln sich auch in informellen Lernräumen: im Alltag, in Beziehungen, in Verantwortungssituationen und in wiederkehrenden Anforderungen.

Eltern erleben solche Anforderungen in besonderer Dichte. Sie organisieren Alltag, regulieren Emotionen, übernehmen Verantwortung, begleiten Entwicklung, treffen Entscheidungen unter Unsicherheit und gestalten Beziehungen über lange Zeiträume hinweg. Diese Erfahrungen können für berufliche Kontexte bedeutsam sein, wenn sie reflektiert, sprachlich gefasst und auf konkrete Anforderungen bezogen werden.

Der PSS untersucht daher nicht einfach „Elternsein“, sondern die Frage:

Welche elterlichen Erfahrungen lassen sich als informell erworbene Skills beschreiben — und unter welchen Bedingungen werden sie beruflich anschlussfähig?

Abbildung 1: Vom familialen Erfahrungsraum zur beruflichen Anschlussfähigkeit: Der PSS beschreibt, wie elterliche Alltagserfahrungen reflektiert, benannt und als Skills sichtbar gemacht werden können.

Elternschaft als informeller Lernraum

Familie ist ein sozialer Erfahrungsraum mit hoher Alltagsdichte. Dort entstehen wiederkehrende Situationen, in denen Eltern planen, priorisieren, vermitteln, regulieren, entscheiden und Verantwortung übernehmen müssen.

Solche Erfahrungen können Lernprozesse auslösen. Sie führen jedoch nicht automatisch zu stabilen Kompetenzen. Entscheidend ist, ob Eltern ihr Handeln reflektieren, Muster erkennen, Erfahrungen benennen und auf andere Kontexte übertragen können.

Der PSS betrachtet Elternschaft daher als möglichen Lernraum — nicht als Kompetenznachweis an sich.

Diese Perspektive ist anschlussfähig an Forschung zu:

⊳ informellem Lernen
⊳ Work-Family-Enrichment
⊳ Kompetenzentwicklung im Alltag
⊳ Rollenidentität
⊳ Transfer zwischen Familie und Beruf
⊳ psychologischer Selbst- und Beziehungsgestaltung

Das SCOPE-Modell

Das SCOPE-Modell bildet den Kern des Parental SkillScan. Es beschreibt elterliche Skills in fünf Bereichen:

S – Selbstführung

Selbstführung umfasst die Fähigkeit, das eigene Verhalten zu reflektieren, Emotionen zu regulieren und auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben.

C – Caring & Connection

Dieser Bereich beschreibt Beziehungsgestaltung, Empathie, Verbindlichkeit, Kommunikation und die Fähigkeit, tragfähige Beziehungen auch in anspruchsvollen Situationen zu gestalten.

O – Orientierung geben

Organisation & Alltag umfasst Planung, Strukturierung, Priorisierung und den Umgang mit komplexen, wechselnden Anforderungen im Familienalltag.

P – Partizipation ermöglichen

Dieser Bereich beschreibt die Fähigkeit, Entwicklung zu begleiten, Beteiligung zu ermöglichen, Verantwortung zu teilen und Lernprozesse anderer zu unterstützen.

E – Emotionsregulation & Kommunikation

Entwicklungsoffenheit beschreibt die Bereitschaft, aus Erfahrung zu lernen, Perspektiven zu erweitern und sich an veränderte Anforderungen anzupassen.

Das SCOPE-Modell dient dazu, elterliche Erfahrungen nicht pauschal zu bewerten, sondern differenziert zu beschreiben.

Abbildung 2: Das SCOPE-Modell des Parental SkillScan beschreibt elterliche Skills in fünf Bereichen: Selbstführung, Caring & Connection, Orientierung geben, Partizipation & Entwicklung sowie Emotionsregulation & Kommunikation.

Transfer, Nutzung und Identitätsintegration: SOE, SO und WPI

Neben dem SCOPE-Modell werden im PSS-Forschungsprogramm weitere Konstrukte untersucht, die für den Transfer elterlicher Erfahrungen in berufliche Kontexte relevant sind.

SOE – Spillover-Erwartung beschreibt, in welchem Ausmaß Eltern erwarten, dass Erfahrungen und Skills aus der Elternrolle beruflich bedeutsam sein können.

SO – Spillover-Erfahrung, Nutzung und Anerkennung beschreibt, ob elterliche Skills im beruflichen Kontext tatsächlich erlebt, genutzt oder anerkannt werden.

WPI – Work-Parent Identity Integration beschreibt, wie Eltern ihre berufliche Rolle und ihre Elternrolle miteinander verbinden. Dabei geht es nicht primär um einzelne Skills, sondern um die identitätsbezogene Brücke zwischen Elternschaft und Beruf.

Ergänzend werden im Forschungsprogramm auch Arbeiten zu den Piotrowsky-Skalen und zur Entwicklung der WPI-Skala berücksichtigt. Diese Arbeiten werden als begleitende Entwicklungs- und Validierungsarbeiten verstanden und helfen, die Identitäts- und Transferdimension des PSS genauer zu untersuchen.

Wissenschaftlicher Status

Der Parental SkillScan ist ein standardisiertes, theoriegeleitetes Selbstberichtverfahren im Rahmen eines fortlaufenden Forschungs- und Entwicklungsprogramms.

Die bisherigen Arbeiten umfassen:

⊳ theoretische Modellbildung
⊳ Entwicklung des SCOPE-Modells
⊳ Skalenentwicklung
⊳ Prüfung psychometrischer Eigenschaften
⊳ Aufbau von Referenzwerten
⊳ Entwicklung von Profil- und Rückmeldeformaten
⊳ Working Papers und technische Dokumentationen
⊳ Anwendungskonzepte für Reflexion, Coaching, Personalentwicklung und Organisation

Der PSS versteht sich nicht als abschließend fertiges Instrument, sondern als dokumentiertes Entwicklungsprogramm. Neue Befunde, Anwendungserfahrungen und fachliche Rückmeldungen fließen in die Weiterentwicklung ein.

Was der PSS ist — und was er nicht ist

Der PSS ist:

⊳ ein standardisiertes, theoriegeleitetes Selbstberichtverfahren
⊳ ein Reflexions- und Entwicklungsinstrument
⊳ ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm
⊳ ein Instrument zur Beschreibung elterlicher Skills
⊳ ein Beitrag zur Sichtbarmachung informell erworbener Kompetenzen

Der PSS ist nicht:

⊳ kein Intelligenztest
⊳ keine klinische Diagnostik
⊳ kein Persönlichkeitstest im engeren Sinn
⊳ kein Selektionsinstrument für Personalentscheidungen
⊳ kein Nachweis, dass Eltern automatisch bessere Mitarbeitende oder Führungskräfte sind

Diese Abgrenzung ist fachlich wichtig. Der PSS soll keine vorschnellen Zuschreibungen erzeugen, sondern Reflexion, Sprache und Transferhypothesen ermöglichen.

Veröffentlichungen und Working Papers

Die wissenschaftliche Entwicklung des PSS wird über Working Papers, technische Berichte, Manuale und Anwendungsmaterialien dokumentiert.

Geplant bzw. verfügbar sind unter anderem:

Working Paper zum SCOPE-Modell

Beschreibung der theoretischen Grundlagen, Skillbereiche und Entwicklungslogik des Parental SkillScan.
Stand: veröffentlicht
Zum Beitrag in PsychArchives: https://doi.org/10.23668/psycharchives.22276

Working Paper zu SOE und SO

Darstellung der Transfererwartung, Nutzung und Anerkennung elterlicher Skills im beruflichen Kontext.
Stand: in Vorbereitung
Download: folgt

Working Paper zu WPI und Piotrowski-Skalen

Darstellung der Work-Parent Identity Integration und begleitender Skalenentwicklungen zur Verbindung von Elternrolle und beruflicher Rolle.
Stand: veröffentlicht
Zum Beitrag in Zenodo: https://doi.org/10.5281/zenodo.21197439

Manual / technischer Bericht

Dokumentation von Aufbau, Skalen, Auswertung, Interpretation und Anwendung des PSS.
Stand: in Vorbereitung
Download: folgt

Forschung am WFI, Qualifizierung in der Akademie

Das WorkFamily-Institut ist der Ort, an dem die Forschung, Entwicklung und Veröffentlichung des PSS dargestellt wird.

Die Qualifizierung von PSS-Anwender*innen, Trainingsformate und Anwendungsmaterialien werden über die Akademie für angewandte Wirtschafts- und Familienpsychologie bereitgestellt.

[Button: Zur Qualifizierung in der Akademie]
[Button: Zu den Working Papers]
[Button: Fachlichen Austausch anfragen]

Fachlicher Austausch

Das PSS-Forschungsprogramm richtet sich an Fachpersonen und Organisationen, die sich mit elterlichen Kompetenzen, informellem Lernen, Work-Family-Enrichment, Kompetenzdiagnostik, Personalentwicklung und organisationaler Anerkennung von Erfahrungswissen beschäftigen.

Anfragen zu fachlichem Austausch, Forschungskooperationen oder Veröffentlichungen können an das WorkFamily-Institut gerichtet werden.

Kontakt

FAQ

Macht Elternschaft automatisch kompetenter?
Nein. Der PSS geht nicht davon aus, dass Elternschaft automatisch zu beruflich relevanten Kompetenzen führt. Elternschaft kann jedoch ein intensiver Erfahrungsraum sein, in dem Skills entstehen, wenn Erfahrungen reflektiert, benannt und übertragen werden.

Was misst der PSS?
Der PSS beschreibt elterliche Skills im SCOPE-Modell und ergänzt diese Perspektive um transfer- und identitätsbezogene Dimensionen wie SOE, SO und WPI.

Ist der PSS ein Persönlichkeitstest?
Nein. Der PSS ist kein Persönlichkeitstest im engeren Sinn. Er ist ein standardisiertes, theoriegeleitetes Selbstberichtverfahren zur Beschreibung und Reflexion elterlicher Skills.

Kann der PSS für Personalauswahl eingesetzt werden?
Nein. Der PSS ist kein Selektionsinstrument für Personalentscheidungen. Er dient der Reflexion, Entwicklung, Einordnung und fachlichen Kommunikation.

Wo finde ich Qualifizierungen zum PSS?
Qualifizierungen und Anwendungstrainings werden nicht auf der Forschungsseite des WFI dargestellt, sondern über die Akademie für angewandte Wirtschafts- und Familienpsychologie angeboten. ⊳ WF-Akademie

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